Meißner Bürgerstiftung ist gestartet - und wartet

Als erste Aufgabe hat sich die Meißner Bürgerstiftung die Sanierung der Jahnhalle gestellt Foto: Archiv

Die Meißner Bürgerstiftung will die Sanierung der Jahnhalle voranbringen. Die Stiftungsgründung hatte viel mehr Unterstützer als erwartet, doch noch fehlt der Zuschlag für die Halle.

Der Start war gelungen. Nicht nur, weil viele Gäste zugegen waren, als am 28. Oktober im Logenhaus die neue Meißner Bürgerstiftung gegründet wurde. Der Saal war gut gefüllt. Noch wichtiger: Die neue Stiftung hat ein dickeres Finanzpolster als zunächst angenommen. „Wir hatten vorab schon Bedenken, ob wir das gewünschte Stiftungskapital von 10.000 Euro zusammenbekommen würden“, erinnert sich Ina Heß, eine der Organisatorinnen der Gründung und nun Vorsitzende des dreiköpfigen Stiftungsrats. Von wegen: 30 Stifter gaben Geld. „Einige haben sich noch am Gründungstag dazu entschlossen, uns zu unterstützen.“ Meißens Bürgerstiftung hat deshalb ein weit größeres Startkapital als ursprünglich erhofft: Genau 20.320 Euro sind es derzeit.

Knapp zwei Monate sind seit der Gründung vergangenen. Ina Heß und Stiftungsrats-Kollege Bill Quaas sprechen über Pläne. Plan Nummer Eins: die Bürgerstiftung Meißen und ihren Zweck bekannter machen. Nicht ganz einfach, weil die offizielle Adresse eine Dresdner ist. „Das liegt daran, dass wir noch eine Treuhandstiftung der Dresdner Bürgerstiftung sind: Der offizielle Sitz ist deshalb Dresden.“ In der Landeshauptstadt gibt es eine der größten Bürgerstiftungen Deutschlands. Seit Jahren fördert sie Kultur, soziale Projekte und ehrenamtliches Engagement. Die Dresdner beraten die Meißner bei der Gründung, Organisation und Verwaltung ihrer Stiftung.

Für den Außenauftritt der Meißner Bürgerstiftung werde derzeit eine einheitliche Gestaltung und ein Logo erarbeitet, sagt Ina Heß. Das übernimmt der Künstler und Gestalter Daniel Bahrmann. Im Januar soll das „Design“ der Stiftung fertig sein: „Dann wollen wir Informationsmaterial drucken lassen und unseren Internetauftritt anpassen.“

Das erste große Ziel der Stiftung ist die Sanierung der Jahnturnhalle am Jüdenberg. Seit über einem Jahrzehnt ist das Baudenkmal geschlossen und verfällt. Die Stiftung will es als „Bewegungslandschaft“ wiederbeleben. Die Halle und ein Teil des Außengeländes sollen allen Meißner zum Spielen und Sporttreiben offen stehen.

Aktueller Plan Nummer Zwei der Bürgerstiftung ist ein Fest, das dieses Anliegen bekannter macht. Stattfinden werde es am 8. April 2017 von 10.00 bis 17.00 Uhr, kündigt Bill Quaas an. „Wir planen an dem Tag einen Bewegungsparcours für Jung und Alt.“ Ausgangspunkt werde wahrscheinlich der Markt sein. „Von dort führen die Runden Richtung Jahnhalle. Damit stimmen wir die Besucher auf unser Vorhaben ein.“

Anbieten will man am 8. April auch Führungen über das Außengelände der Jahnhalle. Ob sie stattfinden können, ist noch nicht klar. Eigentümerin der Immobilie ist die Stadt. Deren Zustimmung zu Aktionen an der Halle stehe noch aus, sagt Bill Quaas.

Überhaupt fehlt derzeit ein Signal, ob das Engagement der Bürgerstiftung für die Jahnhalle willkommen ist. Die Stadt hatte die Immobilie zuletzt mehrfach ausgeschrieben. Neben den Stiftungsgründern bewarb sich auch ein Bauunternehmer um die Halle und das Außengelände, um dort Wohnungen zu errichten. Offiziell hieß es, man bemühe sich, beide Planungen unter einen Hut zu bekommen. Gemeinsam mit Vertretern der Stadt beratschlagten beide Bewerber, wie man Wohnbebauung und öffentliche Nutzung in Einklang bringen könnte. Ihre daraufhin geänderte Bewerbung reichte die Bürgerstiftung fristgemäß Ende Oktober bei der Stadt ein.

Seither gab es noch keine Entscheidung, wer wann unter welchen Bedingungen neuer Nutzer der Jahnhalle wird. „Wir haben nur die Auskunft bekommen, dass der Stadtrat zu dem Thema noch weitere Beratungsrunden wünscht“, berichtet Ina Heß. Debattiert wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wie lange, ist offen. „Weihnachtliche Vorfreude weicht österlicher Anspannung“, sagt Bill Quaas. Nicht nur, weil man nicht wisse, ob man beim „Bewegungsfest“ am 8. April auf das Gelände dürfe. Die Halle sei derzeit kaum überwacht. Tatsächlich haben Vandalen bisher noch jede Absperrung, die die Stadt an der Halle anbrachte, geknackt. Schlösser gesprengt, Türen aufgebrochen, im Inneren Verwüstung und auch der Schwamm nagt wohl weiter an der Gebäudesubstanz: Der Verfall des Baudenkmals ist nicht beendet.

Die neue Bürgerstiftung spannt derweil die Kräfte zusammen, die sie für Sanierung und Umbau nutzen will. „Wir haben Kontakt zu Unterstützern geknüpft“, sagt Ina Heß. Eine Basler Stiftung, die in ihrer Stadt ein ähnliches Projekt umgesetzt hat, weitere Stiftungen vor allem aus dem Südwesten Deutschlands und nun auch den Frankfurter Verein „Raumgeschichten“. Dessen Mitglieder sind im sozialen Städtebau engagierte Architekten.

Die Bürgerstiftung hat auch einen Meißner Unterstützerkreis aufgebaut. „Rund 120 Leute stehen auf der Liste“, so Ina Heß. Daraus soll ein Freundeskreis für das Jahnhallen-Projekt entstehen. Die Gründung der Stiftung war erfolgreich, nun brauche es weitere Unterstützung: „Weitere Zustiftungen zu unserer Stiftung sind immer möglich“, sagt Bill Quaas. Und Spenden seien ebenfalls sehr willkommen.