Stadt will mit Schiffsanlegern mehr verdienen

Drei Schiffsanleger sind am linken Elbufer festgemacht. Die Dampfschiffahrt darf einen kostenfrei nutzen, kümmert sich dafür aber um die Wartung der Anlage. Foto: Grau

Der Schiffstourismus bringt viele Gäste nach Meißen. Mit den gut genutzten Schiffsanlegern auf dem Elbkai erzielt die Stadt aber kaum Einnahmen. Das soll sich ändern.

Zumindest das Ziel ist klar: Die Stadt Meißen will mit den Schiffsanlegern mehr Geld verdienen als bisher. Rund zehn Prozent der Gäste bekomme man mittlerweile über den Schifffahrtstourismus in die Stadt, heißt es. Die Einnahmen aus dieser Sparte des Fremdenverkehrs seien „durchaus steigerungsfähig“, meinen die Stadträte. Doch wie soll das geschehen?

Bei der jüngsten Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses stellte Stadtmarketing-Manager Christian Friedel Überlegungen vor, wie Meißen mehr Geld mit den Schiffsanlegern im Stadtgebiet verdienen könnte. Es geht um die drei Anleger auf dem linkselbischen Elbkai. Allerdings ist davon derzeit nur einer Eigentum der Stadt.

„Das ist der, an dem die Schiffe der Sächsischen Dampfschiffahrt anlegen“, berichtet der Stadtmarketing-Chef. Die Dampfschiffahrt nutzt den Anleger derzeit kostenfrei. Im Gegenzug ist mit der Stadt vereinbart, dass das Unternehmen für die Wartung und Instandhaltung der Anlage sorgt.

Nur wenige Schritte weiter ist der Anleger der „Kabinenschiffahrt Donau Elbe“ (KDE) auf dem Elbkai festgemacht. Die Vorrichtung gehört nicht der Stadt. Das Unternehmen zahlt für die Nutzung des Elbkais eine Gebühr. So verhält es sich auch mit dem dritten linkselbischen Anleger, der der Firma „Viking River Cruises“ gehört. „Viking“ zahlt an die Stadt ebenfalls eine Nutzungsgebühr für den Elbkai.

Mehr Geld zu verlangen ist das eine. Auf der anderen Seite müsse man darauf achten, die Schiffsunternehmen nicht zu verprellen und damit Besucher zu verlieren, sagt Christian Friedel. Diese Gefahr sehen Meißens Stadträte als eher gering an. „Meißen ist bekannt. Die Schiffe werden trotzdem bei uns anlegen“, sagt etwa SPD-Stadtrat Matthias Rost. „Wir sollten uns nicht unter Wert verkaufen.“

Derzeit verkauft die Stadt die Liegeplätze für die Anleger tatsächlich für eher „kleines Geld“. Die KDE zahlt 1.000 Euro pro Jahr für ihren Anleger. 30 bis 40 Flusskreuzfahrtschiffe legten dort jährlich an, so Friedel. Ähnlich ist es mit dem Ponton der „Viking“: Auch für den bezieht die Stadt derzeit nur 1.000 Euro im Jahr.

Einen Vorschlag für eine Einnahmeerhöhung stellte Stadtmarketing-Chef Christian Friedel den Räten im Sozial- und Kulturausschuss vor. Der städtische Anleger werde von der Sächsischen Dampfschiffahrt nur etwa eine Stunde pro Tag genutzt. Zu den übrigen Zeiten vermarkte man ihn als Anlegeplatz. Die Liegegebühren sollten erhöht werden. Für Schiffe, die bis zu zwei Stunden anlegen, werden aktuell 80 Euro gezahlt. Das Entgelt ließe sich auf 100 Euro erhöhen. Das Entgelt für Liegezeiten von zwei bis acht Stunden würde von 210 auf 240 Euro, das für Liegezeiten von acht bis 24 Stunden von 310 auf 380 Euro erhöht. „Die Anpassung wäre moderat. Die neuen Preise sind immer noch geringer als die der KDE.“ Mit den Nutzungszeiten dieses Jahres hat Friedel einen Vergleich zwischen alter und neuer Entgeltordnung gezogen. Nach der derzeit geltenden rechne die Stadt für 2016 mit 2.780 Euro Einnahmen. Nach der neuen wären es 3.400.

Die Nutzungsgebühren für die beiden anderen Anleger sollten ebenfalls erhöht werden. Christian Friedel schlägt vor, sie nach der erst kürzlich geänderten Sondernutzungssatzung der Stadt zu berechnen. Die KDE würde dann knapp 340 Euro pro Monat, Viking rund 220 Euro pro Monat zahlen. Umsetzen ließe sich das nach dem Auslaufen der derzeit bestehenden Verträge ab Ende des nächsten Jahres.

Für die Stadträte im Sozial- und Kulturausschuss ist das aber nicht genug. Finanziell wären auch die höheren Einnahmen für den Stadthaushalt nur Kleinigkeiten. „Wir sollten uns fragen, was wir ausreizen können“, sagt ULM-Stadtrat Holger Metzig. Da sei zwar Fingerspitzengefühl nötig. Die Stadtverwaltung solle aber auch den Vergleich zu anderen touristisch bedeutenden Kommunen ziehen. Ein neues Einnahmekonzept müsse her. Was Friedel vorstellte, genüge nicht, so die Meinung der Ausschussmitglieder.

Auch die Anschaffung eigener Pontons ist eine Option. Laufen die Verträge mit KDE und Viking aus, könnten die ihre Anleger aus Meißen abziehen. Die Stadt würde dann zwei eigene Pontons zur Verfügung stellen und für deren Nutzung Gebühren verlangen. Die Verwaltung soll nun durchrechnen, wie teuer Bau und Unterhaltung von zwei Anlegern sind.