Wie weiter mit dem Park von Siebeneichen?

Der Siebeneichener Schlosspark ist über die Jahre verwildert Foto: Grau

Der denkmalgeschützte Schlosspark ist stark verwildert. Für den der Stadt Meißen gehörenden Teil liegt nun ein Pflegekonzept auf dem Tisch.

Der Schlosspark von Siebeneichen hat Pflege nötig. Was einst von Gärtnern angelegt und gehegt, später sogar zum Kulturdenkmal erklärt wurde, mutet heute eher wie ein Wald an. Das Zwischen- und Unterholz ist dicht gewachsen, die Blickachsen sind verschwunden. Ein gutes Drittel der Parkfläche gehört der Stadt Meißen, die ihren Besitz künftig besser pflegen will. Ein Konzept dazu wurde jüngst den Stadträten im Bauausschuss vorgestellt.

Erarbeitet hat es Tobias Hamm, Forstwissenschaftler und Mitarbeiter des Staatsbetriebs Sachsenforst. Seine Bestandsaufnahme für die 13 Hektar Schlosspark in städtischem Besitz: Die Qualität der Anlage lasse sich kaum noch erkennen. „Seine Blütezeit hatte der Park Anfang des 20. Jahrhunderts. Danach fehlten Ersatzpflanzungen und Erhaltungsmaßnahmen.“ Seit den 1990er Jahren sei die Stadt nur noch ihren Verkehrssicherungspflichten nachgekommen. Das Ergebnis ist Verwilderung.

„Über die Jahre hat im Park die Waldfläche zugenommen, die Wiesenfläche abgenommen.“ Die Bäume wachsen weitgehend ungehindert. „Wir haben im Siebeneichener Park eine hohe Vielfalt von Baumarten, der Pflegezustand der einzelnen Bäume ist aber schlecht“, sagt Tobias Hamm. Fichten und Ahorne gediehen derzeit im Park am besten. Sie wachsen schnell und lassen ihn immer weiter zuwuchern. Wenigstens das Wegenetz des Schlossparks sei aber einigermaßen in Schuss.

Geht es um die zukünftige Pflege, treffen verschiedene Interessen aufeinander. „Die Denkmalschutzbehörden fordern die Wiederherstellung eines Zustands wie 1840“, sagt Hamm. Damals war der Park angelegt worden. Die Denkmalschützer wollen vor allem Sichtachsen wieder herstellen lassen, markante Bäume erhalten und die Vorkommen von Fichten und Ahornen zurückdrängen. Naturschützer schätzten die Lage etwas anders ein, so Hamm. „Sie wollen vor allem Habitate erhalten. Dazu gehört auch Totholz.“ Daneben soll dringend die von Überwucherung bedrohte „Schlosswiese“ im Park gerettet werden. Dort leben seltene Insekten.

Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Denkmal- und Naturschützer haben bereits einen „Maßnahmeplan“ für den Siebeneichener Park abgestimmt. Punkt eins auf der Liste ist die „Waldbehandlung“. Offenbar stehen einige Fällungen wild gewachsener Bäume an. Markante Parkbäume sollen dagegen Pflege bekommen, ebenso die Wiesenflächen. Wo Sichtachsen wieder freigeschnitten werden, könne man sich auch Neupflanzungen vorstellen, sagt Tobias Hamm. An den Waldrändern zum Beispiel Eiben: „Das sind besondere Bäume, die gut in einen Park passen. Sie wachsen langsam und halten so die Sichtachsen frei.“ Auch beim Wegebau könne man noch etwas tun. Die frühere Grabenbrücke und der heute nicht mehr existente Küchengrundhangweg ließen sich wiederherstellen, sagt Hamm. „Das hat aber eine eher geringe Priorität.“

Setze man alle vorgeschlagenen Maßnahmen um, werde das rund 44.000 Euro kosten, heißt es in Hamms Bericht. Geht man zunächst nur die dringlichen Vorhaben an, wären dafür rund 10.000 Euro fällig. Für die anschließende Pflege des Parks müsse man rund 2.500 Euro pro Jahr investieren. Die Meißner Stadträte signalisieren Zustimmung. Im Bauausschuss regten sie an, dass sich die Stadtverwaltung um Fördermittel für die Pflege des Siebeneichener Schlossparks bemühen soll.