Promenade statt verfallener Häuser am Fluss?

Verfall bestimmt derzeit das Bild der Meißner Fährmannstraße. Die Stadt plant eine Neugestaltung: Für die "Triebischpromenade" würden Häuser abgerissen. Foto: Archiv

Was ist die Zukunft der entvölkerten Fährmannstraße im Meißner Zentrum? Den Stadträten wurden jetzt Pläne zum Abriss von Häusern und dem Bau einer Uferpromenade vorgestellt.

Was der Meißner Fährmannstraße fehlt, ist leicht zu erkennen: Sonnenlicht und Bewohner. In der eng bebauten Triebischvorstadt verfallen viele Häuser, der Wohnungsleerstand ist hoch. Die Hochwasser von 2002 und 2013 haben deutliche Spuren hinterlassen und die Misere der Fährmannstraße noch verschärft. Die Stadt will eine Neugestaltung: Pläne dazu stellten die Dresdner Landschaftsarchitekten Christine und Jens-Holger May den Meißner Stadträten vor.

Der Vorschlag der Architekten: Die verfallenen Häuser der Fährmannstraße sollen einer „Triebischpromenade“ weichen. Ein freies, begrüntes Gelände, das sich stufenweise bis zum Fluss absenkt, lockt die Meißner an die Triebisch: „Das wird ein Treffpunkt für Jung und Alt“, sagt Christine May.

In den Plänen ist zu erkennen, wie die Fährmannstraße dann aussehen könnte. Die heute zu großen Teilen leer stehende Häuserzeile an der Triebisch würde weitgehend abgerissen. Die künftige Uferpromenade soll über drei Ebenen vom Straßenniveau bis an den Fluss führen. Der Entwurf könnte in zwei Etappen umgesetzt werden, schlagen die Architekten vor. Zunächst würden die verfallenen und leeren Häuser nahe der Martinsbrücke abgerissen. Einige Gebäude blieben „mittelfristig“ noch stehen, sagt Jens-Holger May. „Langfristig wäre aber die weitestgehende Räumung der Straßenseite an der Triebisch vorgesehen.“ Dort bliebe dann nur die Pension an der Einmündung zur Uferstraße erhalten.

Will man diese Pläne umsetzen, muss noch mit Grundstückseigentümern verhandelt werden. Einige Häuser an der Fährmannstraße besitzt die Stadt bereits. Andere gehören ihr jedoch noch nicht. Auch deshalb haben die Architekten den Bau der „Triebischpromenade“ zunächst in zwei Schritten geplant. „Auch die mittelfristige Variante, in der noch ein Gebäudeblock stehen bleibt, ist schon gut nutzbar“, sagt Christine May.

Der Aufwand für die Bauarbeiten ist hoch. Zwischen Straße und Fluss ist ein Höhenunterschied von über drei Metern zu überwinden. Es werden neue Mauern und Treppen benötigt. Die Uferpromenade soll dennoch barrierefrei für Rollstuhlfahrer oder mit Kinderwagen erreichbar sein. Die Architekten haben viel Grün eingeplant. Wo die Häuser weichen, sollen vorzugsweise Ulmen, Linden und Kirschen gepflanzt werden. Das Supermarkt-Areal auf der gegenüberliegenden Straßenseite zeigt derzeit nüchternste Gewerbe-Zweckarchitektur. In den Plänen ist der Eingang gefälliger gestaltet als derzeit. Die Fährmannstraße bleibt für Autos befahrbar. Auch die Parkplätze sollen mit dem Neubau der „Triebischpromenade“ nicht verschwinden.

Ob und wann die „Promenade“ gebaut wird, ist aber noch nicht abzusehen. Die Stadträte im Meißner Bauausschuss lobten den Entwurf und wollen das Modell zu eingehenderer Betrachtung zunächst im Bauamt aufstellen lassen. Die Abrisspläne an der Fährmannstraße sind nicht unumstritten. Der Denkmalschutz hat ein Wort mitzureden. Kritiker wie der ehemalige „Freie Bürger“-Stadtrat Dr. Helge Landmann beklagen, in die Meißner Stadtstruktur würde bei Umsetzung der Pläne an wichtiger Stelle eine Lücke gerissen.