Die richtige Liebe mit dem falschen Vetter

Julia (hier Kirsten Labonte) erlebt den Zauber der Liebe nicht mit dem "Vetter aus Dingsda", sondern mit August Kuhbrot (Dirk Konnerth) Foto: König

Die Landesbühnen Sachsen präsentieren Eduard Künnekes Operettenklassiker "Der Vetter aus Dingsda". Die neue Inszenierung besorgte Intendant Manuel Schöbel.

Julias Sehnsucht brennt heiß. Zwei Dinge sind es, die die aparte Blondine kaum erwarten kann: ihre Volljährigkeit und ihren Vetter Roderich. Erstere wird sie bald erlangen. Ihre Vormünder Onkel Josef und Tante Wilhelmine fürchten bereits den Tag, ab dem ihre Nichte selbst über ihr großes Vermögen verfügen kann. Roderich ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor in der Finanzplanung von Onkel und Tante. Seit sieben Jahren weilt der nun schon aus geschäftlichen Gründen in „Dingsda“, äh, Batavia. Käme er zurück und heiratete Julia, wären Josefs und Wilhelmines mit dem Geld der Nichte finanzierte Bequemlichkeiten futsch.

Eduard Künnekes Operette „Der Vetter aus Dingsda“ spinnt vom ersten Moment an ein genretypisches Märchen zusammen. Reiche Erbin aus eigennützig Intrigen spinnender Familie sucht den Mann fürs Leben. Natürlich wird der Richtige kommen. Doch bis es soweit ist, erleben alle Beteiligten fürs Publikum amüsante Komplikationen und singen dabei herrliche Operettenmelodien. So funktioniert das nun auch an den Landesbühnen Sachsen, wo Manuel Schöbel Künnekes Klassiker solide inszeniert hat.

„Solide“ heißt hier „humorvoll, aber nicht durchgängig spritzig“. Gerade der erste Teil der Inszenierung gerät – trotz prägnant gezeichneter Figuren – etwas kompliziert. Anna Erxleben (alternierend mit Kirsten Labonte) gibt die Julia als einen verliebt schwärmenden Backfisch, Iris Stefanie Maier ist ihre zupackende Freundin Hannchen. Michael König und Antje Kahn haben als Josef und Wilhelmine Kuhbrot schon durch ihre rundlichen Kostüme die Lacher auf ihrer Seite.

Dabei sind aber nicht alle Details schlüssig. Warum wird der zum Swimmingpool illuminierte Orchestergraben (Ausstattung: Katharina Lorenz) so gut wie gar nicht bespielt? Warum tauchen einmal Gummikrokodil und -krabbe auf? Warum wird die Drehbühnen-Mechanik von den Dienern Hans (Kazuhisa Kurumada) und Karl (Hagen Erkrath) immer wieder so bedeutungsschwanger mittels großem Hebelkasten in Bewegung gesetzt?

Macht man es, wie es der bald auftauchende schöne Fremde (Dirk Konnerth) Julia empfiehlt, kann man dann schon Operettenzauber erleben. „Kindchen, du musst nicht so schrecklich viel denken.“ Josefs Neffe August Kuhbrot hat sich in Julia verliebt: „Küss mich und alles wird gut.“ Noch nicht ganz: Da Julia wider ihr Gefühl aufs Prinzip des Eheversprechens für Roderich besteht, muss August nun eben jenen spielen. Natürlich fliegt das irgendwann auf …

Zu Hochform läuft die Inszenierung auf, wenn die bekannten Weisen des Stücks gespielt und gesungen werden. „Sieben Jahre lebt’ ich in Batavia“, „Er ist’s, er ist’s, der Augustin“: Hier kommen Melodien, Stimmen und die Choreographien von Till Nau wunderbar zusammen. Überhaupt trägt der „Sound“ der Elbland-Philharmonie unter dem Dirigat von Jan Michael Horstmann die Inszenierung ganz wesentlich. Fidel und munter klingen hier Künnekes Operettenmelodien. So wird am Ende natürlich alles gut.

Wieder am 6. April in Radebeul, am 8. April im Stadttheater Meißen