Liebesfreud und Liebesleid im Athener Wald

Helena (Julia Rani) beim Versuch, den vor ihr fliehenden Demetrius (Johannes Krobbach) von einer Liebesbeziehung mit ihr zu überzeugen Foto: König

Wieder mal ein Klassiker: Peter Kube inszeniert an den Landesbühnen Sachsen Shakespeares "Sommernachtstraum" mit Elementen von Komödie und Tragödie.

Leidenschaft und Lachen, Freuden und Abgründe der Liebe: All das ist Teil von Shakespeares „Sommernachtstraum“. Je nach Inszenierung wird oft einer dieser Aspekte betont. Doch an den Landesbühnen Sachsen setzt Regisseur Peter Kube nun auf ausgewogene Mittellage. In seiner Inszenierung des Theater-Klassikers durchleben die Protagonisten gleichermaßen Liebesfreuden und Grausamkeiten.

Liebesfreud und -leid gehen schon in den ersten Szenen Hand in Hand. Fürst Theseus (Matthias Henkel) freut sich auf seine bevorstehende Hochzeit. Seine künftige Gattin Hippolyta (Sophie Lüpfert) ist weniger glücklich: Theseus zwingt sie zur Verbindung. Auch die Beziehung zwischen Lysander (Felix Lydike) und Hermia (Luca Lehnert) ist bedroht. Hermias Vater will die Liebe zwischen den beiden nicht dulden. Seine Tochter soll Demetrius (Johannes Krobbach) heiraten, der Hermia begehrt und dafür die Liebe von Helena (Julia Rani) verschmäht. Es folgt die Flucht der vier unglücklich über Kreuz verbandelten Jugendlichen in den Athener Wald. Der ist jedoch kein besserer Ort, weil hier das Elfen-Königspaar Oberon (Grian Duesberg) und Titania (Sandra Maria Huimann) in Liebesdingen über Kreuz liegt und mit magischen Mitteln miteinander ringt.

Regisseur Peter Kube und Ausstatterin Barbara Blaschke bringen mit Farben und einem sparsamen Bühnenbild optische Ordnung ins amouröse Kuddelmuddel. Die weltlichen Fürsten tragen Rot, die liebesverwirrte Jugendschar Gelb und die Waldgeister Blau. Zu letztgenannter Fraktion gehört Puck, dem Tom Hantschel eine für einen flinken Kobold überraschend massive Statur verleiht. Diese „Gegen-den-Strich“-Besetzung erweist sich aber als ein Glücksgriff, weil sie selbst schon Komik beinhaltet und Tom Hantschel seiner Rolle Farbe zu verleihen weiß. Sein Puck ist ein Schlawiner, der zwar vor seinem jährzornigen Herren Oberon kuschen muss, aber dennoch das Waldgeister-Leben genießt, wo er nur kann. Manche magische Verwirrung richtet er unabsichtlich an, genießt dann aber schadenfroh die Folgen.

Also doch nicht nur Tragik im Athener Wald. Auch Luca Lehnert, Julia Rani, Felix Lydike und Johannes Krobbach bringen in den Rollen von Hermia, Helena, Lysander und Demetrius Frische ins Spiel. Verliebtes Küssen, sehnsüchtiges Nachlaufen, Verzückung und Verzweiflung wechseln sich bei ihnen ab. Vor allem Luca Lehnert und Julia Rani können in ihren Rollen alle Liebesstimmungen zwischen Dur und Moll auskosten.

Die Inszenierung verwendet eine Shakespeare-Übersetzung von Frank Günther. Die setzt auf Reime und bringt damit manches zusätzliches komisches Element ein. Vielfach kommt das der Inszenierung entgegen. Zuweilen beißen sich aber Knittelvers und Bühnengeschehen – vor allem dann, wenn die tragischen Seiten der Liebe verhandelt werden.

Keinesfalls jedoch bei den Auftritten der Handwerkertruppe, die in kaum einem „Sommernachtstraum“ fehlen darf. An den Landesbühnen geben Michael Berndt-Canana, Holger Uwe Thews, Moritz Gabriel und Jürgen Haase die wenig begabte Laienspieler-Schar, die zur Hochzeit des Fürsten das Stück von Pyramus und Thisbe aufführen will. Die verunglückenden Proben nebst Aufführung sind große Komödie, in der vor allem Holger Uwe Thews und Michael Berndt-Canana auftrumpfen dürfen.

Das Ulk-Stück von Pyramus und Thisbe ist der komische Kontrapunkt zum Unbehagen an der Liebe, das sich in den letzten Bildern der Inszenierung offenbart, in der sich eigentlich passend Herz zu Herz gefunden haben sollte. Auch hier also wieder Ausgewogenheit: Der neue Radebeuler „Sommernachtstraum“ bedenkt Freuden und Leiden der Liebe gleichermaßen. Dafür gab es bei der Premiere langen Beifall des Publikums.

Wieder am 18. März, 7. und 4. April in Radebeul, am 21. April im Meißner Theater