Im Meißner Kino: Eine Frau, die nicht klein beigibt

Der Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ verbindet Drama, Thriller und Komödie. Für die exzellenten Darsteller gab es kürzlich Oscars.

An einer Landstraße, die zum kleinen Ort Ebbing im US-Bundesstaat Missouri führt, entdeckt Hilfssheriff Jason Dixon (Sam Rockwell) eines Abends drei Werbetafeln mit knallig roter Beschriftung. Sie beschuldigen den Polizeichef (Woody Harrelson) der Untätigkeit bei der Aufklärung eines abscheulichen Verbrechens an einer jungen Frau: Sie wurde vor Monaten vergewaltigt, ermordet und verbrannt.

Verantwortlich für die öffentliche Anklage ist die Mutter des Opfers, Mildred Hayes (Frances McDormand). Dass ihre Aktion von ihren Mitmenschen nicht gern gesehen wird, bekommt sie schnell zu spüren. Sie erhält Drohungen, Besuch vom Pfarrer des Städtchens und ihr Zahnarzt greift unerwartet zum Bohrer. Doch weder das gute Zureden des Sheriffs, noch die Schikanen, denen sie und ihr Sohn fortan ausgesetzt sind, können Mildred besänftigen. Die taffe Frau weiß sich zu wehren. Es beginnt ein erbitterter Kleinkrieg, der bald etliche Kollateralschäden fordert.

Der britische Regisseur und Autor Martin McDonagh hat bereits mit seinem hochgelobten Debüt „Brügge sehen... und sterben?“ gezeigt, dass uns die gewagte Kombination aus Drama, Thriller und Komödie in den richtigen Händen einen sehr guten Film bescheren kann. Für sein drittes Werk bat er nun einen Großteil seiner Besetzung aus „7 Psychos“ noch einmal vor die Kamera und holt zu einem cineastischen Rundumschlag aus.

Mit bemerkenswerter Finesse gelingt es McDonagh, nicht nur vom tragischen Schicksal einer verzweifelten Mutter zu erzählen. Er legt auch nach und nach die Wunden einer Stadt und einer ganzen Gesellschaft offen, in der es jedoch weder eindeutig gute noch eindeutig böse Figuren gibt. Der gerade gewonnene Golden Globe fürs Drehbuch ist somit mehr als verdient.

Mit insgesamt sieben Oscar-Nominierungen ging „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ zudem als einer der Favoriten ins Oscar-Rennen Anfang März. Verliehen wurden schließlich die Preise für die Beste Hauptdarstellerin (McDormand) sowie den Besten Nebendarsteller (Rockwell).

Regisseur McDonagh, der bereits 2006 einen Oscar für seinen Kurzfilm „Six Shooter“ bekam, ließ sich für sein neues Meisterstück übrigens von „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973, Regie: Nicolas Roeg) inspirieren. Er brachte in seinem Film etliche Anspielungen auf den Klassiker unter. So spielt nicht nur die Farbe Rot eine wichtige Rolle, sondern auch dessen Soundtrack ist kurz zu hören. Zudem setzt der Tod eines Kindes die Handlung in Gang und Dixons Mutter schaut im Fernsehen einen Streifen „mit Donald Sutherland und seinem toten Mädchen“.

Vielleicht haben sich McDonagh – und insbesondere der deutsche Verleih – auch als Verbeugung vor jenem Film deshalb dafür entschieden, den unbequemen, langen Titel nicht zu ändern. Davon bitte nicht abschrecken lassen, denn das hier ist wirklich großes, Diskussionen anregendes und formidabel gespieltes Kino.

In der „Kino Extra“-Reihe am Montag, dem 19. März, um 17.15 Uhr und 20.15 Uhr im Filmpalast Meißen