Abenteuerreise mit Autoscooter und Gesang

Auf rasanter Fahrt im Autoscooter: Michael Zehe als Tschick (li.) und Johannes Leuschner als Maik Foto: Rietschel

In Radebeul kommen der Romanheld "Tschick" und sein Freund Maik auf die Bühne: in einer Operninszenierung von Sebastian Ritschel.

Tausende Leser ließen sich von ihrer abenteuerlichen Reise begeistern. Dann traten Maik Klingenberg und sein Kumpel Tschick auf Theaterbühnen auf. Erst im Schauspiel, jetzt auch in der Oper: So ist „Tschick“ nun in den Landesbühnen Sachsen angekommen. Das Radebeuler Theater präsentiert die Geschichte des Romans von Wolfgang Herrndorf als „Road Opera“. Das Werk von Ludger Vollmer inszenierte Sebastian Ritschel, am Pult der Elbland-Philharmonie steht Hans-Peter Preu.

Eine Erklärung für den Erfolg von „Tschick“ ist die Universalität der Geschichte. Schriftsteller Wolfgang Herrndorf schilderte in der Reise der beiden jugendlichen Haupthelden den Zauber des Entdeckens. Maik und Tschick lernen bei der Fahrt im geklauten Auto und bei all ihren skurrilen Begegnungen sich selbst, die Welt und auch die Liebe ein bisschen besser kennen. Kein allwissender Erzähler berichtet davon. Die Leser nehmen die Welt und deren längst in den Alltag integrierte Absurditäten mit dem Staunen des 14-jährigen Maik Klingenberg wahr – und der kann sein Verwundern in herrlich schnodderiger Sprache herunterspielen.

Wie passt das nun zu den Ausdrucksformen der Oper? Kurz gesagt: Die Annäherung von Literatur und Musik ist in diesem Fall für die Zuhörer eine fordernde Sache. Doch das Dranbleiben lohnt sich. Die „Road Opera“ in der Radebeuler Fassung von Sebastian Ritschel belohnt mit gelungenen szenischen „Übersetzungen“ und vor allem mit hervorragenden Sängern bzw. Darstellern.

Allen voran Johannes Leuschner als Maik und Michael Zehe als Tschick: Beide sind Gäste an den Landesbühnen. In ihren Hauptrollen bemühen sie sich nicht, 14-Jährige zu imitieren. Sie zeigen, was Maik und Tschick bei ihrer Reise an- und umtreibt: Leichtsinn, Selbstzweifel, Neugier. Dabei helfen ihnen die phantasievolle Ausstattung und die einfallsreiche Inszenierung des Stücks. Zwei Beispiele: Der geklaute Lada ist hier ein Autoscooter, die Klassenkameraden von Maik und Tschick (und noch einige andere Rollen) werden von Mitgliedern des Chors des Coswiger Gymnasiums gespielt und gesungen.

Die Musik von Ludger Vollmer mischt verschiedenste Stile. Mal ist Rap zu hören. Dann folgen auf heftig drängendes Stakkato vom Schlagwerk plötzlich opernhaft angehauchte Melodiebögen. Die „Road Opera“ fordert die Hörgewohnheiten des Musiktheaterpublikums mitunter stark heraus. Ebenso wie das Libretto von Tiina Hartmann: Hier bleibt das Werk nah am Buch (und damit nah am jugendlichen Sprachalltag, in dem bekanntermaßen auch mal Deftigkeiten vorkommen). Unter dem Dirigat von Hans-Peter Preu bringt die Elbland-Philharmonie die so heterogene Partitur souverän zum Klingen.

Solisten und Chöre der Landesbühnen begleiten Maik und Tschick auf den Stationen ihrer Reise: mal als überforderte Eltern, als gastgebende Großfamilie, Rentnerballett oder Publikum einer Gerichtsverhandlung. Hier führt Sebastian Ritschel die Figuren in angemessenem Tempo, in sehenswerten Choreografien, aber auch mit Liebe zum Detail. Die offenbart sich unter anderem in manchem herrlich schrägen Kostüm.

Zusammen ergibt das ein sehr lebendiges Bild der Reise von Maik und Tschick. Den „Punktabzug“ verantwortet dann auch weniger das Team der Inszenierung, als der akustisch problematische Radebeuler Theatersaal. In etlichen Szenen, vor allem den vielstimmig gesungenen, ist hier der Text kaum verständlich. Großer Beifall bei den ersten Aufführungen spricht dafür, dass „Tschick“ im Opernformat an den Landesbühnen ein Publikumserfolg werden kann.

Wieder am 25. und 30. Januar sowie am 2. Februar