Gräfin Cosel tanzt dreifach auf der Radebeuler Bühne

Die Cosel dreifach auf der Radebeuler Bühne: Joana Martins, Ana Theresa Pereira und Morgan Perez (v.l.) Foto: König

Die Landesbühnen Sachsen widmen der berühmten Mätresse ein neues Tanzstück. Dort begegnet die alte Gräfin zwei jüngeren Ichs.

Sachsens Kurfürst August der Starke stand im Zenit seiner Herrschaft, als er 1704 der Liebe seines Lebens begegnete. Der Herrscher zog alle Register: Er schmeichelte, buhlte und schenkte. Die umworbene Anna Constanza von Hoym (1680 – 1765) war jedoch nicht nur schön, sondern auch klug. Als Mätresse von August dem Starken war sie auf dessen Bitten hin vom Kaiser in den Stand einer Gräfin erhoben worden. Ihr ausgehandeltes Jahresgehalt war so hoch, wie das der rechtsmäßigen Frau Augusts, der Kurfürstin. Die Cosel ließ sich von ihrem Geliebten ein Eheversprechen geben, das er beim Ableben seiner Gattin einlösen sollte.

Glückliche Jahre, denen bittere folgen sollten. Die Gräfin Cosel ist in Sachsen – und vielleicht auch darüber hinaus – der Prototyp der „gefallenen Geliebten“. Ihr außergewöhnliches Schicksal berührt bis heute. An den Landesbühnen Sachsen haben Tanzensemble-Chef Carlos Matos und seine Frau Wencke Kriemer de Matos ihr Leben dreigeteilt choreografiert.

Im neuen Tanzstück „Gräfin Cosel“ ist die Hauptfigur dreimal präsent. Anna Constantia, die junge Cosel, wird von Ana Theresa Pereira getanzt. Ihr folgt Joana Martin, die die wohl bekannteste Cosel verkörpert: eine Frau auf der Höhe ihrer Macht als Mätresse August des Starken und Mutter seiner drei Kinder. Eine dritte Tänzerin, Morgan Perez, tanzt und spielt die auf Stolpen gefangene Cosel – jene Frau, die sich in Regierungsgeschäfte eingemischt hatte und durch Intrigen des Ministers von Flemming in Ungnade fiel. Bis zu ihrem Tod sollte sie 49 Jahre in der Stolpener Verbannung leben. Lange hoffte sie, aus ihren Briefen ersichtlich, auf Begnadigung und baldige Befreiung.

In ihrer Choreografie lassen Carlos Matos und Wencke Kriemer de Matos die gefangene Cosel rückerinnernd agieren. Die Hauptfigur lässt ihr Leben Revue passieren. Da fließen mitunter die Zeitebenen ineinander und die drei Cosels stehen gleichzeitig auf der Bühne. Die Ausstattung von Annett Hunger zeigt zwei drehbare Treppenkonstruktionen, vergleichbar einem Turm. So werden Bilder von Gefängnis, Auf- und Abstieg assoziiert. Für die Zeit des Barocks steht die Musik Antonio Vivaldi, Jan Dismas Zelenka und anderen Komponisten. Die Moderne ist unter anderem mit Ludovico Einaudi vertreten.

Ein Problem der Inszenierung: Sie ist zu voll gepackt. Weniger hätte mehr sein können. Auf der Habenseite verbucht das Stück eine originelle Bewegungssprache der Tänzer und eindringliche Bilder.

Als August der Starke Stolpen aus militärischen Gründen besuchte, hoffte die Gräfin vergeblich, er wolle sie zurück an den Dresdner Hof holen. Erst nach seinem Tod begnadigte sein Sohn die Cosel. Die Rückkehr an den Hof war nun möglich. Zu spät: Die Cosel lehnte ab und verstarb in Stolpen.

Wieder am 17.11., 2.12., 23.1.