Sachsens Volkskunst auf zeitgenössische Art

Sehr appetitliches Textil gehört zu den Ausstellungsstücken der neuen Schau im Dresdner Jägerhof Foto: SKD

Volkskunst ist nicht nur Jahrhunderte altes Schnitz- und Klöppelwerk. Das Dresdner Volkskunstmuseum zeigt, wie sich Sachsen heute im künstlerischen Hobby betätigen.

Kinderaugen staunen und selbst die Eltern wundern sich: Gestrickte Pflanzen, gehäkelte große und kleine Fische tummeln sich in einem Aquarium in der zweiten Etage des Sächsischen Volkskunstmuseums im Dresdner Jägerhof.

Die neue Ausstellung unter dem Titel „Volkskunst jetzt!“ zeigt noch mehr solcher Skurrilitäten. Ist es denn die Möglichkeit? Ja, das ist wirklich eine genähte Teekanne und in ihr hängt ein genähter Teebeutel. Für die Kanne gibt es natürlich den passenden Deckel und eine Teetasse mit Untertasse. Alles aus Stoff und vorwiegend genäht. Selbst der Häkelteller mit einem Tortenstück ist nicht vergessen worden.

Mit der Schau befragt das Dresdner Museum den Begriff der „Volkskunst“ auf ihren heutigen Gehalt. „Jede Generation entwickelte ihre eigene Vorstellung von Volkskunst oder gar, was ,echte Volkskunst’ ist“, sagt Museumsdirektor Igor Jenzen.

Die Vielfalt der zeitgenössischen Volkskunst ist erstaunlich. Da schauen sogar zwei Roboter – der eine groß, der andere klein – vergnüglich drein. Diese audio-visuelle Installation stammt von Alwin Weber, der im Hauptberuf Diplomingenieur ist und einen Faible für Fantasiefiguren dieser Art hat.

Weber lädt im umfangreichen Begleitprogramm der bis November dauernden Ausstellung am 30. September und 1. Oktober zur Lötwerkstatt ein. Dort können sich Interessenten selbst in dieser Handwerkskunst versuchen.

Beeindruckende Ausstellungsobjekte sind auch Figuren aus Schwemmholz und eine liebevoll und detailgetreu gestaltete Eisenbahn. Erstaunlich, was so alles in den Vitrinen steht: Ist das überhaupt Volkskunst? Befragen wir Oskar Seyffert, den Gründer des Sächsischen Volkskunstmuseums, der selbst Kunst studierte und lehrte. Er postulierte in den 1890er Jahren, dass ihn selbst gerade das Ursprüngliche, Unverbildete und Unkonventionelle an der Kunst der kleinen Leute, aber nicht nur der „kleinen Leute“, interessiere.

Die Ausstellung vereint in der zweiten Etage des Dresdner Jägerhofs über 150 aktuelle Exponate „auf den Spuren der Volkskunst“. Sie will Anregungen geben, bietet Möglichkeiten zum Selbermachen, Workshops und Führungen. Kurz: Für jeden ist etwas dabei.

„Made by me in Saxony. Volkskunst jetzt.“ Bis 5. November.