Meißens "Lange Nacht" sucht das "Unentdeckte"

Das Kultur-Großereignis gastiert am 19. August an neuen Veranstaltungsorten. Langjährige Teilnehmer wollen Ungewohntes präsentieren.

Wie viele „unentdeckte Orte“ gibt es eigentlich in Meißen? Vermutlich keinen, der noch im Wortsinn „unentdeckt“ wäre. Dafür aber einige, die lange keine Besucher mehr gesehen haben. Bei der „Langen Nacht“ am 19. August wird sich das ändern.

Zum Beispiel im Kornhaus am Domplatz, aus dem vor Jahren die letzten Mieter auszogen. Nach dem Verkauf an einen Investor, der den Umbau zum Nobelhotel versprach, fiel das Haus in einen Dornröschenschlaf. Aus dem wird es nun mit Kultur geweckt. Zur „Langen Nacht“ präsentiert der Verein „Mit Zahnrad und Zylinder“, der sich jüngst des Kornhauses annahm, im historischen Gemäuer eine Fotoausstellung. Passend zur verwunschenen Atmosphäre ist der Titel der Schau: „Mystik Moments“. Vereinsmitglieder werden am 19. August zu abendlicher Stunde Besucher durchs Haus führen.

Auch das Haus Burgstraße 2 stand viele Jahre lang leer. Erst vor einigen Monaten haben hier Bauleute das Regiment übernommen. Kurz bevor der Bau neuer Wohnungen in dem historischen Bürgerhaus abgeschlossen ist, lässt nun die kommunale Wohnungsgesellschaft SEEG die Meißner reinschauen. Besucher können in der „Langen Nacht“ Teile des Hauses und den überraschend großen Garten erkunden. Ein Künstler wird seine nur unter Schwarzlicht sichtbaren Werke ausstellen. Schüler und Lehrer der Freien Werkschule führen von ihnen gedrehte Filme vor.

Kornhaus und Burgstraße 2 waren bisher noch nie Austragungsorte einer Meißner „Langen Nacht“. Kein Problem, sondern ein Gewinn, meint Stadtmarketing-Chef Christian Friedel, der seit diesem Jahr auch bei der Organisation der „Langen Nacht“ den Hut aufhat. „Eine neue Mischung ist reizvoll. Wir werden auch in Zukunft versuchen, immer wieder neue Partner für die ‚Lange Nacht’ zu gewinnen. Dafür pausieren dann auch mal einige alte Bekannte.“

So wie in diesem Jahr zum Beispiel die Albrechtsburg oder die Evangelische Akademie. Andere langjährige Veranstaltungsorte bleiben auf dem Plan, setzen aber in ihren Programmen auf Neuigkeiten. Im Meißner Theater werden die Veranstaltungen der „Langen Nacht“ teilweise in den Orchestergraben verlegt. Dort wird das Märchen von den „Drei Haselnüssen für Aschenbrödel“ in einem Papiertheater aufgeführt. Besucher lernen bei Rundgängen die geheimnisvollen Dachböden und die historische Lüftungsanlage des Hauses auf dem Theaterplatz kennen.

Die Afra-Kirchgemeinde lockt Besucher in diesem Jahr auf den Turm der Frauenkirche am Markt. Dort lässt sich Kantor Karsten Voigt beim Musizieren auf dem Porzellanglockenspiel über die Schulter schauen. Was verbirgt sich hinter den sonst sorgsam verschlossenen Türen an der Turm-Treppe? Auch dieses Geheimnis soll am Abend des 19. August gelüftet werden. Im Meißner Kino bekommen die Gäste gezeigt, wie Filmvorführer arbeiten. Der Meißner Kunstverein bespielt schon seit Wochen zehn Ladenlokale in der Altstadt mit Ausstellungen. Bei der „Langen Nacht“ findet die Finissage statt.

Bei der Eröffnung der „Langen Nacht“ wird wieder auf Tradition gesetzt. Seit Jahren knüpft man auf dem Markt zu Beginn ein „Band der Langen Nacht“. So soll es auch diesmal wieder sein, bevor um 18.00 Uhr das offizielle Eröffnungskonzert im Dom beginnt. Im Gegensatz zu den vergangenen „Langen Nächten“ wird es in diesem Jahr aber keinen zentralen Abschluss auf dem Markt geben. Der Kreis der teilnehmenden Kultur-Institutionen habe sich dagegen entschieden, sagt Christian Friedel. So wolle man sich selbst keine Konkurrenz machen: „Es gab in den vergangenen Jahren eine Anzahl von Besuchern, die lieber nur zur zentralen Veranstaltung auf dem Markt ging.“ Das sei schade, da die Kulturveranstalter viel Aufwand auf das Programm in ihren Häusern verwendeten. Man habe auch mit den Gastronomen darüber gesprochen, dass es diesmal keinen zentralen Abschluss auf dem Markt gibt. „Es ist ihnen freigestellt, selbst etwas zu organisieren.“

Besucher können bei der „Langen Nacht“ wieder mit einem Ticket an allen angebotenen Veranstaltungen teilnehmen. Karten kosten acht, ermäßigt fünf Euro. Für Kinder im Alter bis zu 14 Jahren ist der Eintritt frei.