Wie das Radebeuler Theater auf Weltreisen geht

Intendant Manuel Schöbel (re.) und der neue Operndirektor Sebastian Ritschel im Zuschauerraum des Radebeuler Landesbühnen-Stammhauses Foto: Reißmann

Die Landesbühnen Sachsen stellen ihr Programm für die Spielzeit 2017/18 vor. Im Musiktheater setzt ein neuer Chef stärkere zeitgenössische Akzente.

Der Wechsel gehöre zum Theater, sagt Manuel Schöbel. Die Landesbühnen Sachsen, deren Intendant Schöbel ist, werden in der kommenden Spielzeit einige Wechsel erleben. Die musikalische Sparte des Radebeuler Theaters bekommt einen neuen Chef. Mit Olaf Hörbe und Jost Ingolf Kittel verabschieden sich prägende Schauspieler in den Ruhestand. Auch hinter der Bühne steht Veränderung an: Der Aufsichtsrat hat eine neue kaufmännische Geschäftsführerin eingesetzt.

Wechsel, Aufbruch, Veränderungen der Gesellschaft: Sie sollen sich im Programm der Landesbühnen für die neue Spielzeit 2017/18 spiegeln. Gemeinsam mit neuen und bekannten Kollegen der Radebeuler Theaterleitung stellte es Manuel Schöbel vor wenigen Tagen vor. Unter dem Motto „Weltreisen“ sind 26 Premieren geplant.

„‚Weltreisen’ steht für Reisen in die Welt, für Reisen aus aller Welt nach Europa, Deutschland und Sachsen, aber auch für Reisen in der Phantasie – also das, was das Theater prägt“, sagt der Intendant. Das klingt so umfassend, wie sich der Spielplan der neuen Saison liest. Die Landesbühnen setzen wieder auf eine Mischung aus Klassiker-Inszenierungen und neuen Stücken. Ein am Rande der Großstadt beheimatetes Reisetheater muss den Spagat zwischen sehr heterogenen Publikumsinteressen schaffen. Gediegener Shakespeare-Goethe-Schiller-Verdi-Mozart wird von ihm ebenso erwartet, wie Klassenzimmerstücke für Sieben- bis 17-Jährige oder  musikalische Entdeckungen für Avantgarde-geneigte Besucher.

Für die richtige Mischung in der Musiksparte wird ab August der neue Operndirektor Sebastian Ritschel zuständig sein. Als Regisseur und Dramaturg war er bisher am Zittau-Görlitzer „Gerhart-Hauptmann-Theater“ engagiert. Erfolge feierte er mit seinen Inszenierungen unter anderem auch in Magdeburg, Münster und Radebeul. Die Landesbühnen Sachsen hatten Ritschel bereits zwei Mal als Regisseur gebucht: 2015 für Giuseppe Verdis „Maskenball“ und 2016 für André Previns „Endstation Sehnsucht“.

„Ich freue mich, an ein Haus zurückzukehren, das ich schon kenne“, sagt nun der neue Radebeuler Opernchef. In der kommenden Spielzeit wird er mit zwei neuen Inszenierungen das zeitgenössische Musiktheater an den Landesbühnen stärken. Das Musical „Company“ von Steven Sondheim hat Ende Oktober Premiere. Ein „Abenteuer“ nennt Ritschel die Musiktheater-Version des Jugendbuchs „Tschick“, die im Januar in Radebeul herauskommen soll. „Road Opera“ nennt sich die Spielform, in der Tschick und Maik Klingenberg, genannt „Psycho“, musikalisch auf einen Trip durch die Weiten Ostdeutschlands gehen.

Sebastian Ritschel spricht von „neuem Fahrwasser“ für das Landesbühnen-Musiktheater. „Wir gehen stärker ins 20. und 21. Jahrhundert.“ Dafür steht auch eine dritte Opernpremiere der neuen Spielzeit. Gottfried von Einems „Besuch der alten Dame“ nach Dürrenmatt wird im Mai 2018 von Sebastian Welker inszeniert. Für die musikalische Traditionspflege ist unter anderem Intendant Manuel Schöbel zuständig. Er wird Ende März 2018 als Regisseur die immergrüne Operette „Der Vetter aus Dingsda“ in Szene setzen.

Die Präsenz der klassischen Opernliteratur im Radebeuler Spielplan wird in der kommenden Spielzeit vor allem durch das Repertoire gesichert. Unter anderem „La Cenerentola“, „Hänsel und Gretel“, „La Traviata“ und „Carmen“ werden weiter aufgeführt.

Das Schauspiel werde in der kommenden Saison „Blockbuster“ zu bieten haben, kündigt Chefdramaturgin Gisela Kahl an. Zum Beispiel Brechts „Arturo Ui“, im November neu inszeniert von Schauspiel-Chef Peter Kube. Aktuelle gesellschaftliche Debatten nehmen die Landesbühnen gleich am Beginn der neuen Spielzeit auf. „Willkommen“ heißt das Stück des Erfolgsautorenpaars Lutz Hübner und Sarah Nemitz, das Tom Quaas inszenieren wird. Die Frage: Was geschieht in einer WG deutscher Wohlstandsbürger, wenn dort plötzlich der Einzug eines Asylbewerbers angekündigt wird?

Die Schauspiel-Sparte wird sich neben dem „großen Gesellschaftlichen“ auch dem Regionalen widmen. Ein neues Format ist der „Radebeuler Bilderbogen“, der im Frühling 2018 Premiere hat. Gisela Kahl: „Wir werden mit unseren Zuschauern durch die Stadt reisen, zu Orten mit Geschichte.“ Weingüter, Museen, aber auch die Brachen und Rückseiten der Stadtlandschaft sollen Spielorte für rund einstündige Theateraufführungen werden. Zum Abschluss bekommt das Publikum im Landesbühnen-Stammhaus noch Peter Hacks’ „Jahrmarktsfest zu Plundersweilern“ geboten.

Die Ballettsparte der Landesbühnen greift sächsische Geschichte auf. Ihre erste Premiere der neuen Spielzeit wird im November eine Choreografie zum Leben der Gräfin Cosel sein. Dass Tanztheater schon Kinder begeistern kann, will man mit dem „Schwanensee-Märchen“ beweisen. Wencke Kriemer de Matos choreografiert es für Publikum ab fünf Jahren.

Stücke für junges und jüngstes Publikum seien bei der Zielgruppe sehr gefragt, sagt Landesbühnen-Intendant Manuel Schöbel. Unterschiedlich aufgeschlossen seien jedoch die Vermittler. „Unsere Theaterangebote für Kitas sind sehr gut gebucht. Für die Klassenzimmerstücke bekommen wir sehr positive Rückmeldungen von den Schülern. Dort könnten aber die Lehrer noch mutiger sein und uns an mehr Schulen einladen.“ Fürs Klassenzimmer-Publikum nehmen die Landesbühnen in der nächsten Saison drei neue Stücke ins Programm.