Zum Jubiläum kamen auch Spejbl und Hurvinek

Die diesjährige Radebeuler "Kasperiade" war die 30.: Der runde Geburtstag wurde mit Klassikern und Neuem des Puppenspiels gefeiert.

Die Eröffnungsveranstaltung der diesjährigen Radebeuler „Kasperiade“ am 17. Juni hing sprichwörtlich an vielen Fäden. Erinnerungen an die Geschichte des kleinen, feinen Festivals, Klassiker und Neuigkeiten der Puppenspiel-Kunst: All das kam bei der 30. „Kasperiade“ zusammen.

Vielleicht kennt der eine oder andere noch aus seiner Jugend das Prager Marionettentheater mit Spejbl und Hurvinek. Vielleicht ebenso die berühmte Frage, die Hurvinek seinem Vater Spejbl stellt: „Vati, was ist Liebe?“ Genau vor 100 Jahren wurden die Figuren von Spejbl und Hurvinek vom damals 25-jährigen Professor Josef Skupa geschaffen.

Weil die 30. „Kasperiade“ etwas besonderes ist und Marionettentheater als Königsdisziplin des Puppenspiels gilt, verband das Prager Marionettentheater seine Vorführung mit der des Salzburger Marionettentheaters und den singenden Marionettisten Markus Dorner und Bernd Lang zur „Europäischen Marionettengala“. „Dieses Programm spielen wir in Deutschland exklusiv nur drei Mal und einmal davon in Radebeul“, so Markus Dorner. Das Publikum sah und hörte die Comedian Harmonists, Opernarien von Mozart und viel Vergnügliches an Marionetten-Fäden.

Für die Aufführungen der ungewöhnlichen, internationalen Gäste erwies sich die Schiller-Grundschule in Radebeul-Ost als perfekter Ort. Alexander Lange, Leiter des Radebeuler Kulturamts: „Die 30. ‚Kasperiade’ setzt sich räumlich dort fort, wo die erste ‚Kasperiade’ begonnen hat: in der Schiller-Grundschule.“

Am Sonntag, dem 18. Juni, startete ein rappelvolles Programm mit über 14 Theaterstücken, vorwiegend für Kinder. Gespielt wurde um den „Kulturbahnhof“ in Radebeul-Ost. Auch der künstlerische Leiter des Festivals, Detlef-A. Heinichen, ließ es sich nicht nehmen, selbst „hinter der Bühne“ zu stehen. Nach dem Kinderbuch von Sam McBratney „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe?“ schuf der Puppenspieler ein vergnügliches Stück mit verschiedenen Techniken. Er nutzte eine offene Spielform, setzte beispielsweise das Handpuppenspiel ein und setzte Traumszenen in erfrischender, farbiger Schattentechnik ab. Interaktive Spieleinlagen lockerten die Handlung auf. Kindern wurden in das Bühnengeschehen einbezogen.

Das ist nicht selbstverständlich. Bei einigen – zum Glück wenigen – Inszenierungen hatte man den Eindruck, es handelte sich um langweilige Monologe, bei denen bisweilen sogar das aus Kindern bestehende Publikum störte.

Vom Fernseh-Kinderkanal „Kika“ war Christian Bahrmann mit einem eigenen Stück beim Radebeuler Festival dabei. Ein nicht ganz alltägliches Theatererlebnis bot der Berliner Jan Mixa am Sonntagnachmittag im Kulturbahnhof. Mit fantasievollen Figurenkreationen setzte er Motive des Kinderbuch „Ritter Rost“ von Jörg Hilpert und Felix Janosa um.

Junge Besucher, die keine Lust auf einen ganzen Tag voll Puppentheater hatten, konnten mit einem nostalgischen Kinderkarussell fahren, toben, die Sidonienstraße bemalen, einen Flohmarkt besuchen oder Rätsel raten. Die 30. Radebeuler „Kasperiade“ war rundum gelungen, sogar was das Wetter angeht.