Burgfestspiele mit Chören, Festzug und Jedermann

Das "Leben und Sterben eines reichen Mannes" auf dem Burghof: Tom Quaas schlüpft bei den Meißner Burgfestspielen wieder in die Rolle des "Jedermanns" Foto: König

Die Veranstalter kündigen für Meißens Sommer-Kultur-Festival jede Menge Mitwirkende an. Eine neue Produktion, die gezeigt wird, bringt es allein auf über 100.

Die Burgfestspiele haben es gut. Kein Streit um Programmpunkte, keine Debatten in sozialen Netzwerken. Stattdessen ist die Rede von Tradition, Vorfreude, kulturellen Höhepunkten.

Gut anderthalb Wochen vor dem Start von Meißens Theater-und-Musik-Open Air sind die Organisatoren guter Dinge. Sie stellen ein dicht gepacktes Programm vor: elf Tage, elf Veranstaltungen, drei Aufführungsorte. Hauptthema diesmal: die Reformation.

„Der Kartenvorverkauf kann noch etwas besser werden“, sagt Ann-Kristin Böhme, die neue Chefin des Meißner Theaters. Als Vorsitzende der Festspielgemeinschaft weiß sie, dass die Burgfestspiele vor allem aus den Kartenverkäufen finanziert werden müssen. Bis jetzt habe sich das potenzielle Publikum noch zurückgehalten. „Wir vermuten, dass es auch an der Witterung liegt“, so Böhme. Der Winter war lang, der Frühling kühl: „Da denken viele nicht sehr gern an Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel.“

Als Zugnummer der Burgfestspiele soll in diesem Jahr wieder der Klassiker aller deutschsprachigen Festspiel-Stücke dienen. Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“: Die Landesbühnen Sachsen hatten das Stück im vergangenen Jahr für den Meißner Burghof inszeniert. In diesem Jahr sind am 9. und 10. Juni zwei weitere Aufführungen vorgesehen. Festspiel-Chefin Ann-Kristin Böhme: „Der ‚Jedermann’ wird eine Institution für die Burgfestspiele.“ Die exklusive Aufführung für Meißen sei gefragt. Landesbühnen-Intendant Manuel Schöbel hofft, dass die Meißner Version zum Synonym für „DEN sächsischen ‚Jedermann’“ werde: „Ein Stück, über das die Leute sagen: Das musst du gesehen haben.“

Noch ist es nicht ganz soweit – und vor allem das Radebeuler Theater steuert ja auch noch Weiteres zu den diesjährigen Burgfestspielen bei. Zum übergreifenden Reformationsthema passt „In Gottes eigenem Land“. Die darstellerreiche Produktion der Landesbühnen schildert, wie der evangelische Glaube in Nordamerika Fuß fasste und startet in Meißen eine Tournee zu mehreren Freiluft-Spielorten.

Jane Taubert, die den Veranstaltungskalender der Landesbühnen plant, kündigt Großes an. Schon im vergangenen Jahr habe man beim „Jedermann“ etliche Laiendarsteller auf der Bühne gehabt. „Das toppen wir in diesem Jahr noch.“ Diesmal werden nicht nur viele Schauspiel-Laien dabei sein, sondern auch Chöre. Gut 70 Sängerinnen und Sänger aus drei Meißner Ensembles, dazu noch Gäste von Chören aus der Großenhainer Region: „Damit hat ‚In Gottes eigenem Land’ insgesamt über 100 Mitwirkende.“ Zwei Aufführungen sind geplant: am 16. und 17. Juni.

Um Reformator Luther höchstselbst geht es ebenfalls bei den Burgfestspielen. Ein Gastspiel aus München heißt „Gottes Narr und Teufels Weib“. Vielleicht sind damit Martin Luther und seine Gemahlin Katharina von Bora gemeint, deren bevorstehender Hochzeit sich das Stück widmet, das am 14. Juni aufgeführt wird.

Den musikalischen Part der Burgfestspiele bestreiten in diesem Jahr eine Bluesband, die Ensembles „Harmonic Brass“ und „Nobiles“ sowie die Meißner Dommusik. Aufwendig sind die Konzerte im Dom. Am 13. Juni wird das Ensemble Nobiles dort Schuberts „Deutsche Messe“ interpretieren. Die Dommusik verbindet im Abschlusskonzert am 18. Juni Kompositionen aus verschiedenen Ländern und Zeiten zu einer „Misa Tango“.

Für den schon traditionellen „Bürgerfestzug“, der alljährlich die Burgfestspiele begleitet, zeichnet diesmal Renate Fiedler verantwortlich. Die ehemalige Chefin des Meißner Theaters wurde jüngst zur Vorsitzenden des Theater-Freundeskreises gewählt. „Der Festzug zeigt, dass die Meißner Bürger die Kultur tragen“, sagt sie. In diesem Jahr zieht man am 18. Juni unter dem Motto „Mit Jedermann vom Mittelalter zur Reformation“ vom Theaterplatz auf den Burgberg. Teilnehmer werden noch gesucht, so Fiedler: vor allem solche, die sich als Nonnen und Mönche kostümieren. Der Umzug gibt stets auch eine Vorschau auf das Thema der nächsten Saison. Soviel sei schon verraten: 2018 soll auch eine Hebamme in Meißen zu Gast sein, die als Bücherheldin jede Menge Fans hat.