Jüdische Geschichte zwischen schwarzen Plastikplanen

Joseph Roths Roman "Hiob" hat in Dresden eine Theateradaption erfahren. Sie erzählt von Lebensmühen und Hoffnungen.

Das Buch Hiob ist ein Teil des jüdischen Tanachs und des Alten Testaments der Bibel. „Hiob“ von Joseph Roth ist ein Teil der europäischen Literaturgeschichte. Mit dem 1930 erschienenen Werk gelang dem österreichisch-ungarischen Schriftsteller der internationale Durchbruch.

„Hiob“ schildert den steinigen Lebensweg des jüdisch-orthodoxen Privatlehrers Mendel Singer. Die Anknüpfungspunkte der Schilderungen aus dem fiktiven russischen Schtetl Zuchnow finden sich in Joseph Roths Biographie. Der Schriftsteller stammte aus dem damals österreichisch-ungarischen, heute ukrainischen Brody. Die Atmosphäre des galizischen Schtetls, in dem Roth aufwuchs, dürfte der in den jüdischen Siedlungen des unweit gelegenen russisch beherrschten Wolhyniens ähnlich gewesen sein.

Joseph Roth erzählt in „Hiob“ von Lebensmühen, Wunderglauben und Hoffnung. Im Kleinen Haus des Dresdner Staatsschauspiels ist nun eine Bühnenadaption des Werks zu sehen. Regie führte Nurkan Erpulat, der aus der Türkei stammt, in Deutschland studierte und Hausregisseur am Berliner Gorki-Theater ist.

In der Dresdner Inszenierung spielt Mathis Reinhardt den jüdisch-orthodoxen Privatlehrer Mendel Singer. Der lebt mit seiner schwangeren Frau Deborah (Christine Hoppe) und seinen vier Kindern in bescheidenen Verhältnissen im russischen Schtetl. Während sein Sohn Schemarjah, dargestellt von Christian Clauß, vor dem Militär nach Amerika fliehen kann – die Bestechungssumme hatte seine Mutter gespart –, geht sein Bruder Jonas (Jannik Hinsch) gern zum Militär. Die Darstellung seiner Freude an der Zukunft beim Militär lässt den Betrachter allerdings das Gegenteil vermuten.

Miriam (Lucie Emons), die Tochter der Familie, bereitet Sorgen. In naiver Leichtgläubigkeit lässt sie sich zum Entsetzen ihrer jüdischen Familie mit Kosaken ein. Mutter Deborah macht sich aber die meisten Gedanken um ihr jüngstes Kind: Der Junge ist von Geburt an behindert. Menuchim, gleichermaßen geschlagen und gesegnet, wird in der Inszenierung von Daniel Kahn gespielt. Der Schauspieler zeichnet gleichzeitig auch für die Bühnenmusik verantwortlich, die das Ensemblespiel auflockert. Zu hören sind die typischen Klänge russisch-ostjüdischer Musik.

Die Kostüme im folkloristischen Design entwarf Iréne Favre de Lucascaz. Das Bühnenbild von Alissa Kolbusch zeigt meterweise schwarze Plastik-Planen und einige „Möbel-Zitate“ und unterstützt die Handlung.

Die Welt der ostjüdischen Schtetl war schon in der Gefahr, verloren zu gehen, als Joseph Roth sie beschrieb. Auch Mendel Singer und seine Familie wandern in die USA aus. Sie werden Teil eines Stroms von Menschen mit großen Hoffnungen und vielen erlebten Verlusten. Die Anknüpfung des „Hiob“ an die Biografie von Joseph Roth und an die damalige geschichtliche Situation lässt eine Vermischung mit heutigen Migrationsbewegungen problematisch erscheinen. Die zeitaktuellen Einsprengsel wirken auf der Bühne tatsächlich etwas deplaziert, wenn sie auch aus Sicht der Regie verständlich sind.

Wieder am 6. und 10. Mai, 8. Juni