Lola Blau: Eine Sängerin wird politisch

In der Inszenierung der Landesbühnen ist Iris Stefanie Maier in der Rolle der Lola Blau zu sehen Foto: König

Die Landesbühnen Sachsen bringen ein Stück von Georg Kreisler neu heraus. "Heute Abend: Lola Blau" hat eine kleine Besetzung, aber große Kraft.

So manchem Österreicher wird Intelligenz nachgesagt, was seine politische Haltung betrifft. Der Sänger, Komponist und Dichter Georg Kreisler, der 2011 in seinem 89. Lebensjahr in Salzburg starb, war ein geborener Österreicher, der nach Emigration und Zweitem Weltkrieg mit amerikanischer Staatsbürgerschaft nach Europa zurückkehrte. Politisch, intelligent, scharfzüngig: So kommentierte er fortan das Geschehen in seiner Heimat wie auch in Österreichs Nachbarländern.

Kreisler war ein scharfer Kritiker der österreichischen Politik und Gesellschaft. Das lässt sich in nahezu jedem seiner vielen Texte nachlesen und hören. Vor allem aber im Musical „Heute Abend: Lola Blau“ , das mit seinem sehr deutlichem Inhalt bereits bei der Premiere im Jahr 1971 aneckte. Das Stück ist eine wunderbar stimmige Metapher für den Kampf zwischen der Demokratie und der Diktatur. Es steckt viel Österreichisches in diesem „Musical für eine Schauspielerin“ – und viel Aktuelles. Die Landesbühnen Sachsen zeigen Kreislers „Lola Blau“ im Kulturbahnhof von Radebeul-Ost. Regie führte bei der neuen Inszenierung Ute Raab, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Uwe Zimmermann.

Im Mittelpunkt steht die Tänzerin und Sängerin Lola Blau. Die gebürtige Österreicherin, sehr überzeugend gespielt von Iris Stefanie Maier, interessiert sich eigentlich überhaupt nicht für Politik. Ihr liebster Ort ist die Bühne.

Und von dort aus überzeugt sie ein ums andere Mal ihr Publikum. Die Auftritte der Lola Blau werden von Mal zu Mal intensiver: Auch eine Künstlerin kann die Augen nicht davor verschließen, was „draußen“, vor der Bühne und im Lande geschieht. Also erweitert sie ihre darstellerische Aufgabe. Lola fordert mit ihren Liedertexten und ihrer von Zorn, Mitleid und Trauer geprägten Stimme das System heraus.

Wie Iris Stefanie Maier das mit Stimme und Spiel schafft, fordert den Zuschauern Hochachtung ab. Am Klavier begleitet wird sie dabei von Uwe Zimmermann. Rollen wie die eines Postboten übernimmt Pär Martin Andersson als dritter Darsteller im Bunde.

„Heute Abend: Lola Blau“ wendet sich in erster Linie gegen die Herrschaftsform der Diktatur. Das Stück ist aber auch ein Appell an die Menschen der Gegenwart: Behaltet auch in scheinbar ausweglosen Situationen den Mut zum Leben! Das Publikum im Kulturbahnhof von Radebeul-Ost folgte gespannt und äußerst aufmerksam dem Spiel der drei Akteure.

Wieder am 15. und 27. April