Stadtmuseum: Auch in Meißen luthert es nun

Besondere Bibeln stellen einen großen Teil der Schaustücke der neuen Ausstellung: Hier packt Museumschefin Martina Fischer eine weitere Leihgabe aus Foto: Grau

Martin Luther war nie in Meißen. Das Stadtmuseum widmet dem Reformator und der Reformation dennoch eine sehenswerte Ausstellung unter dem Titel "Luther, Lieder und Kanzlei".

Die Bibeln, die Bilder und auch die große Druckerpresse sind am richtigen Platz. Die alten Notenbücher liegen sorgsam arrangiert in den Vitrinen. Die Chefin inspiziert, ob alles bereit ist: In wenigen Stunden öffnet das Stadtmuseum seine neue Sonderschau. Dann hat auch Meißen seine Ausstellung zum diesjährigen Reformationsjubiläum. Es geht um „Luther, Lieder und Kanzlei“.

Der große Reformator war nie in Meißen. Es war also keine leichte Aufgabe, ausgerechnet hier eine Ausstellung zum „Lutherjahr“ zusammenzustellen, gibt Martina Fischer zu. „Luther hatte 1517 seine Thesen veröffentlicht. In Meißen ging aber das Leben ganz normal weiter.“ Erst 1539 kam die Reformation in die Stadt. Doch eine Verbindung von Meißen und Luther liegt auf der Hand. Griff der Reformator für seine Bibelübersetzung aus dem Lateinischen nicht auf das „Meißnische Kanzleideutsch“ zurück?

Das war zwar kein gesprochener Dialekt, sondern eine Schriftsprache, der man sich in den Kanzleien der sächsischen Lande bediente. Der Bogen zu Meißen ist jedoch geschlagen und ein Thema der neuen Ausstellung im Stadtmuseum gefunden: Welche Rolle spielte die Sprache für die Reformation? Mit dem Buchdruck verbreiteten sich Luthers Ideen in ganz Europa. Seine Bibelübersetzung schuf Grundlagen einer einheitlichen deutschen Sprache. Und nicht zuletzt reüssierte Luther als wortmächtiger Lieddichter: Klassiker wie „Vom Himmel hoch da komm ich her“ oder „Ein feste Burg ist unser Gott“ stammen aus seiner Feder.

Den „Sprachkünstler“ Luther nimmt die Ausstellung im Stadtmuseum auf vielerlei Weise in den Blick. Prächtige, hunderte Jahre alte Bibelausgaben sind zu sehen. Wohlhabende Meißner Bürger zeigten damit, dass sie stolze Protestanten waren. Die „Lutherbibeln“ stellten schon bald den Reformator und seine Gattin Katharina von Bora mit Lebensläufen und im Bild vor: Luther und seine Frau als Gegenstand von Heiligenverehrung auf evangelisch.

Historische Gesangbücher dokumentieren Luthers Bedeutung als Schöpfer und Inspirationsquelle protestantischen Liedguts. Gemälde zeigen den Reformator überlebensgroß, stolz, unbeugsam. Die Kohlezeichnungen auf Karton von Julius Schnorr von Carolsfeld – Vorstudien zu Fresken – gehören zum Bestand des Meißner Stadtmuseums. Zwei Gemälde von Luther und Melanchthon sind Leihgaben der Kirchgemeinde Constappel – Weißtropp und sonst im Dom zu sehen. Sie wurden von Lucas Cranach dem Jüngeren gemalt. Nicht nur das macht sie wertvoll: „Bilder von Luther und Melanchthon aus der Cranach-Werkstatt waren weit verbreitet“, sagt Martina Fischer. „Diese beiden Darstellungen sind aber ungewöhnlich groß.“ Nicht nur aus diesem Grund haben sie ihren Platz in der Ausstellung. Immerhin: Luthers Gefährte Melanchthon war nachweislich in Meißen.

Doch nicht nur die Reformationsheroen sind Thema der Sonderschau. Die Ausstellung gibt Einblick ins Meißner Alltagsleben der Reformationszeit. Als sich 1539 der Protestantismus in der Stadt durchsetzte, war diese Veränderung vielfach zu spüren. Gottesdienst-Riten änderten sich, Klöster wurden aufgelöst. „Die Ausstellung rückt auch die Geschichte unseres Hauses in den Mittelpunkt“, sagt Martina Fischer. Das Stadtmuseum ist in der früheren Kirche des ehemaligen Meißner Franziskanerklosters ansässig. An einem Modell erfahren Besucher, wie das Kloster vor der Reformation aussah.

In der Ausstellung dürfen sich Besucher auch selbst ausprobieren. Am Schreibpult in der seinerzeit meist in Klöstern ausgeübten Vervielfältigung von Büchern vor Erfindung des Buchdrucks. An der Druckerpresse in der Gutenbergschen Technologie, die entscheidend dafür war, dass sich Luthers Thesen und Ansichten rasend schnell in ganz Europa verbreiten konnten. „Luther, Lieder und Kanzlei“, die neue Ausstellung des Meißner Stadtmuseums, ist ab dem 8. April bis zum 5. November geöffnet.