Neugestaltung der "Schauhalle" ist komplett

Raffinierte Präsentation für die schönsten Stücke aus Manufaktur-Produktion: Das Museum der Meißner Porzellan-Manufaktur hat einen weiteren neu gestalteten Ausstellungsteil Foto: Bahrmann

Wiedereröffnung im Museum der Porzellan-Manufaktur Meissen: Das Obergeschoss der Ausstellung ist nun ebenfalls neu gestaltet worden.

Einen Tag vor dem Festakt gibt es noch viel zu tun. Eine Leiter steht mitten in der Ausstellung, Mitarbeiter werkeln da und dort und in den Vitrinen sind noch ein paar Plätze leer. Anja Hell wirkt dennoch gelassen. Die Kuratorin sagt, was in solch einer Situation gesagt werden muss: Die zweite Etage des Museums der Meissener Porzellan-Manufaktur wird pünktlich wiedereröffnet. Ab Freitag, dem 24. März, ist damit die Manu-„Schauhalle“ komplett umgestaltet. Das Publikum darf ab dem 25. März in alle Ausstellungsräume.  

Die erste Etappe auf dem Weg zum runderneuerten Museum war Anfang 2016 geschafft. Nach Jahren mit wechselnder Leitung und Schattendasein im Manufaktur-Gefüge bekam die untere Etage des zweistöckigen Porzellanmuseums eine Frischekur. In deren neu bestückten Vitrinen werden seither Manufaktur-Porzellane aus drei Jahrhunderten in chronologischer Reihenfolge präsentiert. Frische Farben und neue Tapeten ergänzen das Ausstellungskonzept.

Die jetzt neu konzipierte Ausstellung im zweiten Geschoss des Museums setzt andere Schwerpunkte. „Hier gehen wir nicht chronologisch, sondern thematisch vor“, erklärt Kuratorin Anja Hell beim Vorab-Rundgang. Zu neun verschiedenen Themen hat man wertvolle Porzellane aus den Manufaktur-Beständen gruppiert. Geschichtliche Exkurse gibt es unter anderem zu „sakralem Porzellan“, „Politik und Porzellan“ oder „Porzellan und Mode“.

Günther Störzinger, Geschäftsführer der Meissen Porzellan-Stiftung und damit „Hausherr“ des Museums, weist auf den Raum mit Uhren aus Meissener Porzellan hin. „Da zeigen wir so gut wie alle Uhren aus unserem Bestand.“ Das wertvolle Konvolut sei so noch nicht zu sehen gewesen. Der markanteste Raum der zweiten Museumsetage ist für das berühmte „Schwanenservice“ reserviert. Präsentiert wird es auf einer Halbtafel vor einer raffiniert beleuchteten Wand aus schwarz lackiertem Glas. Darüber „schweben“ auf Podesten Tierfiguren aus Meissener Porzellan. „Das ist unser ‚Schwanensee’“, sagt Störzinger.

Noch nie zuvor zu Museumsehren gelangte das technische Porzellan aus Manufaktur-Produktion. Anfang des 20. Jahrhunderts fertigte Meissen neben Geschirr, Vasen und Skulpturen auch Laborgegenstände aus Porzellan. Es gibt Waschbecken und selbst Grabplatten aus dem Material. „Meissen konkurrierte in den 1920ern und 1930ern beim technischen Porzellan mit anderen namhaften Herstellern“, sagt Anja Hell. Besonders erfoglreich war man dabei aber nicht. Vor allem die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin verdrängte Meissen schließlich von diesem Nischenmarkt. Die Herstellung technischen Porzellans wurde eingestellt. Ein kleines Kabinett in der zweiten Museumsetage ruft dieses Kapitel der Unternehmensgeschichte nun wieder in Erinnerung.

Runderneuert ist jetzt auch die technische Ausstattung des Museums. Für die Gäste gibt es – ausschließlich zu Bildungszwecken – Internetzugang per W-LAN. An den Schauvitrinen wurden QR-Codes angebracht. Wer sie mit seinem Smartphone oder Tablet scannt, gelangt auf eine Internetseite mit weiterführenden Erläuterungen zu den jeweils gezeigten Porzellanen.

Auch die Kinder profitieren von der Technik-Offensive. Für sie wurde eine „Porzellanrallye“ durch die Ausstellung eingerichtet: zu spielen mit Tablet-Computern, die am Museumseingang ausgeliehen werden. Wer Fragen zum Meissener Porzellan richtig beantwortet, sammelt Punkte und kann einen kleinen Schatz heben. Die Kinder-„Rallye“ soll ab Ostern nutzbar sein.

Die Umgestaltung der zweiten Museumsetage habe rund 250.000 Euro gekostet, sagt Günther Störzinger. „Das ist ungefähr genauso viel, wie wir für die Neueinrichtung der ersten Etage im vergangenen Jahr ausgegeben haben.“ Zieht das umgestaltete Museum schon deutlich mehr Besucher an? Tatsächlich schwächeln die Besucherzahlen in der Manu seit einigen Jahren. 2016 kamen knapp 200.000 Gäste.

„Einen klaren Effekt für das Museum können wir noch nicht beziffern“, so der Stiftungsdirektor. Die meisten Besucher nutzten das Kombiticket, das den Museumseintritt mit dem Rundgang durch die benachbarten, von der Manufaktur betriebenen Schauwerkstätten verbindet. „Bei den Besucherzahlen sind wir auch von allgemeinen touristischen Trends abhängig“, sagt Störzinger. Andere Kultureinrichtungen in der Dresdner Region hätten im vergangenen Jahr ebenfalls Einbußen bei den Gästezahlen hinnehmen müssen. „Wir sind noch nicht zufrieden, aber die Zahlen für unser Museum entwickeln sich nach und nach besser.“

Die Investitionen in die Neugestaltung müssen jedoch erwirtschaft werden. Der Eintritt für das Museum wird leicht erhöht: Er kostet nun im Normalpreis fünf Euro pro Person. Das Kombiticket für „Schauhalle“ und Schauwerkstätten schlägt mit zehn Euro zu Buche.