Im Meißner Kino: Eine mörderische Lektüre

Tom Ford ist Modedesigner und Filmregisseur. Sein neuer Streifen „Nocturnal Animals“ wird im Meißner Kino gezeigt.

Wer sich auf eine Liaison mit einem Künstler oder einer Künstlerin einlässt, muss damit rechnen, zum Inspirationsobjekt zu werden. Im besten Fall hat das wunderschöne Liebesbekundungen zur Folge, die dann für jedermann und jederfrau sichtbar sind. Solche Öffentlichkeit hat aber auch Schattenseiten: So verarbeiten beispielsweise Maler oder Musiker gescheiterte private Beziehungen gern in ihren Werken, und die Verflossenen stehen für die ganze Welt seh- und hörbar am Pranger.

Nun ist nicht ganz klar, ob den zum Filmemacher konvertierten Modedesigner Tom Ford, der mit „A Single Man“ einen sehr gelungenen Film-Erstling vorlegte, Ähnliches dazu bewogen hat, „Nocturnal Animals“ auf die Kinoleinwand zu bringen. Basierend auf dem Roman „Tony & Susan“ von Austin Wright, erzählt der Film von der erfolgreichen Kunsthändlerin Susan (Amy Adams), die überraschend ein Manuskript ihres Ex-Mannes Edward (Jake Gyllenhaal) zugesandt bekommt.

Der Autor war jahrelang damit gescheitert, Vernünftiges zu Papier zu bringen und widmet Susan nun sein erstes Buch: eine düstere Familientragödie, brutal, beklemmend, niederschmetternd. Je länger Susan darin liest, umso deutlicher werden ihr die Parallelen zu eigenen Erfahrungen, die sie in ihrer Beziehung mit Edward gesammelt hat.

Um falschen Vermutungen vorzubeugen: Nein, „Nocturnal Animals“ zeigt nicht nur eine Frau, die in einem Buch blättert. Stattdessen bebildert Regisseur Ford den von ihr gelesenen Roman mit einiger Raffinesse. Die Hauptfigur Tony wird ebenfalls von Jake Gyllenhaal verkörpert, Zeitebenen wechseln unerwartet ebenso wie Fantasie und Realität der Leserin, und auch beim Zuschauer verschwimmen die Grenzen zwischen den verschiedenen Geschichten zunehmend.

In den Händen eines Amateurs hätte dieser Mischmasch vielleicht Frustration ausgelöst. Regietalent Ford, der auch das Drehbuch verfasste, gelingt es hingegen, mittels cleverer Montagen und Storywendungen die Spannung konstant am Anschlag zu halten. Zugleich ist seine Vergangenheit als Designer unübersehbar, wenn er eindrucksvolle Bilderwelten schafft, die wie ein zusätzlicher Charakter die Szenerie ergänzen.

„Nocturnal Animals“ ist definitiv nichts für zarte Gemüter, aber für Thriller-Fans ein cineastischer Pflichttermin. Selten gibt es so furchtbar Schönes im Kino zu bewundern.

Nur am Montag, dem 20. März, 17.15 Uhr und 20.15 Uhr im Meißner Kino