Jux und Gags mit dem rächenden Grafen

Hat ein schweres Kreuz zu tragen: Der "Graf von Monte Christo" (Torsten Ranft, vorn) in der gleichnamigen Dresdner Inszenierung Foto: Horn

Ein Abenteuerroman auf der Theaterbühne: Das Dresdner Staatsschauspiel zeigt Alexandre Dumas' "Graf von Monte Christo".

Einfacher, doch begabter Seemann liebt süße Seemannsbraut. Neider neiden ihm die Liebe und bringen ihn mittels Intrige für viele Jahre in härteste Haft. Unschuldig Einsitzender flieht und nimmt Rache an den Bösewichten. So geht – knappst gefasst – die Geschichte des „Grafen von Monte Christo“. Ein sagenhafter Erfolg für den Schriftsteller Alexandre Dumas, Phantasie anregend für Millionen Leser, Kinogänger, Fernsehzuschauer – und in Dresden jetzt auch für Theaterbesucher. Im Großen Haus des Staatsschauspiels hat ein Ensemble um Regisseur Simon Solberg Dumas’ „Graf von Monte Christo“ in Szene gesetzt.

Solberg eilt der Ruf voraus, in seinen Inszenierungen Klassikern der Literaturgeschichte ohne große Rücksichten an den Kragen zu gehen. Wie im Theater üblich liegt der Erfolg solcher Methoden ganz im Auge des Betrachters. Solbergs Version von „Romeo und Julia“ am Dresdner Staatsschauspiel wurde gefeiert. Seine Dresdner „Minna von Barnhelm“ erntete durchwachsene Kritiken. Sein „Simplicissimus Teutsch“ bleibt als bildgewaltig im Gedächtnis.

Und der „Graf von Monte Christo“? Kommt mit reichlich Trockeneisnebel, Europaletten-Kulisse (Bühne: Sabine Kohlstedt) und musikalischer Live-Untermalung durch „MC Hector Berlioz“ (!) daher. Der Namens-Kalauer ist symptomatisch für den Abend und Dumas’ Roman eine Vorlage, aus der man sich mit eher lockerer Hand bedient.

In der Hauptrolle des Edmond Dantes, des rächenden „Grafen von Monte Christo“, kämpft sich Torsten Ranft durch eine Inszenierung, die vor allem auf Effekte setzt. Wer fragt schon nach Motiven, wenn doch vor allem über die Figuren gelacht werden darf? Manche mehr oder weniger hübsche Kasperei ist da auf der Bühne zu sehen: Slapstick, die vielfache Wiederholung von Sätzen, Gags mit spanischem Akzent, ein von Sven Kaiser gespielter Soundtrack, der die Disco-Nummern der letzten Jahrzehnte zitiert. Dieser „Graf von Monte Christo“ ist konsequent verjuxt.

Das Ensemble tritt in legerer Garderobe an (Kostüm: Christina Schmidt). Bis auf den Haupthelden und Nadja Stübiger in der Rolle der von Dantes geliebten Mercedes haben Thomas Eisen, Henriette Hölzel, Ben Daniel Jöhnk und Nicolas Streit jeweils mehrere Rollen zu spielen. Erstaunlich, dass es in der aufgekratzten Atmosphäre des Abends manchmal doch Momente des Innehaltens gibt. Ein Beispiel: Wenn das Bühnenlicht angeht und Dantes Konfetti aufkehren muss, sprechen er und Mercedes über ihre gewaltsam auseinander gebrachte Liebe. Das hat eine Ahnung von Tiefe, die man der Inszenierung an dieser Stelle schon gar nicht mehr zugetraut hatte.

Leider gibt es dann doch noch so etwas wie den Versuch, eine Art von Deutung in das turbulente Geschehen zu bringen. Bild-Projektionen auf den Seitenwänden der Bühne wecken Assoziationen zu Weltgeschichte und Weltgegenwart. Slums und Wolkenkratzer tauchen auf, Bankzentralen und Arme-Leute-Elend. Richtig ärgerlich wird es, wenn Napoleon, Hitler und Osama bin Laden in eine Reihe gestellt werden, wenn der verhinderte Chemnitzer Bombenbauer Al-Bakr in einem Kontext zur Haft von Dantes steht und man auch noch NSU und IS im Ungefähren mit mangelnder Elternliebe assoziiert. Das ist selbst für Polemik zu einfach – wobei unklar bleibt, ob Polemik oder einfach nur ein weiterer Effekt gewollt war.

Wieder am 6., 16., 29. März, 5., 9. und 20. April