Die Künstler und das faszinierende Licht des Südens

Dieses Licht! Diese Farben! Auch der Engländer William Turner ließ sich in Italien inspirieren, wie in der neuen Dresdner Ausstellung sein Bild einer "Italienischen Bucht" zeigt.  Repro: SKD

Im Dresdner Albertinum widmet sich eine Sonderausstellung der künstlerischen Italien-Begeisterung.

Italien war im 19. Jahrhundert ein Magnet für viele Reisende aus Nord- und Mitteleuropa. In Deutschland schrieb Johann Wolfgang von Goethe mit seiner 1816/17 erstmals veröffentlichten „Italienischen Reise“ Reklame für den Süden. „Italisch“ nannte Heinrich von Kleist in einem Brief an die Verlobte den blauen Himmel über Dresden und brachte in seiner Korrespondenz folgenden Vergleich: „Ich blickte von den hohen Ufern herab über das herrliche Elbthal, es lag da wie ein Gemälde von Claude Lorrain unter meinen Füßen.“ Gibt es eine schönere Erklärung, warum eine Gemäldeausstellung unter dem Titel „Unter italischen Himmeln“ in Dresden am passenden Ort ist?

Natürlich ist die Kunst von Claude Lorrain in der Schau im Dresdner Albertinum vertreten: Seine 1657 gemalte „Küstenlandschaft mit Acis und Galatea“ ist zu sehen. Insgesamt vereint die von Heike Biedermann und Andreas Dehmer kuratierte Sonderausstellung in der Galerie Neue Meister 130 Werke. Sie lädt den Betrachter zu einer bildmächtigen Italien-Reise durch verschiedene Jahrhunderte ein. Schwerpunkt ist das vom Süden begeisterte 19. Jahrhundert. Gemälde deutschsprachiger Künstler stehen hier im Dialog mit den Werken herausragender europäischer Zeitgenossen.

Wie die Faszination Italien gelebt wurde, ist in der Ausstellung ebenfalls zu erfahren. Im 19. Jahrhundert gab es bereits Reisestipendien für begabte Studenten der Dresdner Kunsthochschule. Wohin wollten die jungen Künstler? Vor allem in das Land, dem eine Vielzahl klassischer Kunst-Vorbilder entstammte. Um einer größeren Schülerzahl die Ausbildung in Italien zu ermöglichen, wurde am 4. Dezember 1816 als Mittel gezielter staatlicher Förderung ein besonderer Etat zur Finanzierung von „Romfahrten“ geschaffen. Prinzipiell konnte sich jeder Student mit Wohnsitz in Sachsen dafür bewerben.

Die sogenannten „Deutsch-Römer“, deren Werke die Ausstellung zeigt, bezogen sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts intensiv auf die Kunst der Antike und der Renaissance. Dafür stehen Namen wie Arnold Böcklin (1827 – 1901), Anselm Feuerbach (1829 – 1880) und Hans von Marées (1837 – 1887).

Kuratorin Heike Biedermann weist auf eine Besonderheit der Dresdner Ausstellung hin: Es sind zwei Ölbilder von Sophie Prell, geborene Stahmer (1855 – 1940). Das ausdrucksstarke Bild eines Orangenzweigs entstand 1886 auf ihrer Hochzeitsreise. Außerdem wird ein farblich delikates Porträt von ihr gezeigt. Prells Mann, ein damals bekannter Landschaftsmaler, soll sich wohl abfällig über malende Frauen geäußert haben. Nach der Eheschließung widmet sich die begabte Malerin Sophie Prell dann ganz der Kunst ihres Mannes. Schade eigentlich.

Hilke Wagner, die Chefin des Albertinums, verrät schließlich, dass auch ihr Lieblingsmaler in der Ausstellung vertreten sei: der Engländer William Turner (1775 – 1851). Die Bilder der Dresdner Ausstellung nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch ein Land mit üppiger Vegetation und markanten Einöden, Mittelmeerklima und dem typischen intensiven Licht des Südens. Das vermag die Reiselust und Fantasie jedes Betrachters zu beflügeln. Italien, das Land der Musen und Lebenskünstler? Allemal eine Reise wert ist das Albertinum mit seiner neuen Sonderausstellung.

Bis 28.Mai