Dresdner Kabarettisten bereiten Umzug vor

Die "Herkuleskeule" verlässt bald ihr angestammtes Domizil am Sternplatz. Bei der letzten Premiere am alten Ort hob sich der Vorhang zu einer "Ballastrevue".

Es war die letzte Premiere am alten Standort der „Herkuleskeule“ am Dresdner Sternplatz. Dementsprechend akribisch hatten sich die „Keulen“-Kabarettisten darauf vorbereitet. In der neuen Revue agieren neben den altgedienten Ensemble-Mitgliedern Birgit Schaller und Detlef Nier mit Nancy Spiller und Hannes Sell zwei „Keulen“-Neulinge auf der Bühne. Chef und Stammtexter Wolfgang Schaller hat den vieren ihre jeweiligen Texte nahezu auf den Leib geschrieben. Unterstützung holte er sich mit Texten von Hans-Günter Pölitz, Peter Ensikat und Dietmar Jacobs.

Schon dadurch können sich die Altgedienten wie die Neulinge in der „Ballastrevue“ bestens präsentieren. Das Übrige zum Erfolg tun ihre darstellerischen (und auch gesanglichen) Fähig- und Möglichkeiten. Die Regie des Programms lag in den bewährten Händen von Matthias Nagatis.

In der Landes- und Bundespolitik und auch auf internationalem Parkett hatte sich in den vergangenen Monaten wirklich allerhand Kommentierenswertes ereignet. Etwa ein Präsidentschafts-Wahlerfolg in den USA, nach dem der neue Amtsinhaber mit unerklärlichen Statements und Handlungen weltweit für Kopfschütteln sorgt. Das Bühnenbild in der „Herkuleskeule“ ist eine Welt voller Pappkartons und gipserner Büsten. In diesem Chaos scheint nichts unmöglich. Und das nun Mögliche wird auf der Bühne genüsslich seziert.

Am Beginn des Programms steht die Behauptung „Nur wer ein Tabu bricht, dem hört man heute noch zu!“ Und ebenso: „Je mehr ein Volk verblödet, desto besser kann man es lenken.“ „Wo bleibt das Neue?“, fragen Birgit Schaller und Detlef Nier. Natürlich gibt’s allerhand Neues. Martin Schulz, dem neuen Politstern der SPD, widmet sich Detlef Nier in seiner Rolle als Udo-Lindenberg-Double.

Auf die deutsche Politik geht das Programm recht ausführlich ein. Das unerklärliche Phänomen Horst Seehofer wird beleuchtet und auch die Newcomer-Partei AfD aufs Korn genommen. Hier erklingt ein Pro-AfD-Song der Gruppe „Rappelstein“, für dessen Text sich selbst Hitler aus seiner Urne heraus entschuldigt. Ahnte die Band ACDC, dass sich Deutschland einst gewissermaßen auf dem „Highway to Hell“ befinden würde? Birgit Schaller verleiht diesem Song die richtige, kraftvolle Tonart. Zu guter Letzt blendet sich noch mal die Kanzlerin ein und versichert den Bürgern: „Ich freue mich auf Ihre Anregungen, denn Deutschland soll so bleiben wie es ist!“

Bei der „Herkuleskeule“ ist allerdings der Wechsel Programm. Im April soll sie in ein neues Domizil im dann sanierten Dresdner „Kulturpalast“ umziehen: Die „Ballastrevue“ kündigt den Wechsel in den „Ballast“ der Künste an. Am alten Ort am Sternplatz wird die Revue noch mehrfach im Monat Februar und sechsmal im März gegeben.