"Zu den bewährten Formaten wird Neues kommen"

Ann-Kristin Böhme ist die neue Chefin des Meißner Theaters. Seit dem 1. Februar leitet sie das Haus. Foto: Grau

Seit Anfang Februar hat das Meißner Theater eine neue Leiterin. Im Interview spricht Ann-Kristin Böhme über ihre Pläne für das Haus.

Die Amtsgeschäfte wurden feierlich übergeben, die langjährige Chefin Renate Fiedler in den Ruhestand verabschiedet. Seit 1. Februar leitet nun Ann-Kristin Böhme die Geschicke des Meißner Theaters. Die neue Chefin ist 47 Jahre alt, stammt aus Meißen und lebt in Scharfenberg. Sie bringt einige Erfahrungen aus dem Kulturmanagement mit. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte in Berlin arbeitete sie lange für das Marketing des Dresdner "Theaters der jungen Generation" und zuletzt für die Dresdner Philharmonie.

Seit Jahresanfang arbeiten Sie im Meißner Theater, zum 1. Februar haben Sie offiziell das Amt der Leiterin übernommen. Ist die nahtlose Übergabe gut gelungen?

Ich denke ja, auch wenn die Zeit der Übergabe kurz war. Einen Monat lang habe ich mit meiner Vorgängerin Renate Fiedler parallel gearbeitet. Doch da blieb gar nicht viel Zeit, um sich zusammenzusetzen und die Dinge in aller Ruhe zu besprechen. Denn das „Alltagsgeschäft“ lief ja auch im Januar weiter: Zu den Neujahrsempfängen hatten wir ein volles Haus und der Vorstellungsbetrieb kennt auch keine Unterbrechungen.

Wie ist das Haus bestellt, dessen Leitung sie jetzt übernommen haben?

Ich übernehme ein gut bestelltes Haus, das wirtschaftlich sehr erfolgreich ist. Noch bin ich dabei, mich in alle Einzelheiten einzuarbeiten und das Meißner Theater im Detail kennenzulernen. Was man schon jetzt sagen kann: Das Haus erlebt gerade eine Phase des Umbruchs. Das betrifft nicht nur den Ruhestand meiner Vorgängerin Renate Fiedler. Im Team gibt es weitere personelle Veränderungen. Wir bekommen zum Beispiel einen neuen Verantwortlichen für das Ticket-Geschäft. Und auch beim Freundeskreis des Theaters sind Wechsel im Vorstand geplant.

Ist das eine Zeit, in der es auch inhaltlich große Veränderungen am Profil des Meißner Theaters geben wird?

Vieles wird stabil bleiben. Zum einen ist der Spielplan der aktuellen Saison 2016/17 komplett durchgeplant. Den für die nächste Spielzeit erarbeiten wir bis zum März. Dafür hat Renate Fiedler Vorplanungen gemacht. Darüber bin ich sehr froh, denn ich finde, dass die thematischen Schwerpunkte des Meißner Theaters schon in den vergangenen Jahren richtig gesetzt waren. Das klassische Theaterprofil mit Schauspiel, Ballett und Musiktheater will ich erhalten. Wichtig sind mir auch die Amateurgruppen: Sie prägen das Profil und den Spielplan des Meißner Theaters mit. Ich will sie weiter ans Haus binden. Bewährte Formate sollen also beibehalten werden.

Wollen Sie auch neue thematische Schwerpunkte setzen?

Zu den bewährten Formaten wird Neues kommen. Mein Ziel ist es, das Meißner Theater für alle Generationen attraktiv zu machen. Die älteren Zuschauer kommen gern, aber wir wollen auch mehr junges Publikum ins Haus holen. Dafür möchte ich das Spielplanangebot für Kinder, Jugendliche und Familien ausbauen. Unser Haus soll da aber nicht nur klassische Theatervorstellungen anbieten. Ich möchte auch die soziokulturelle Vernetzung stärken. Das Theater soll ein Treffpunkt für alle Meißner werden – auch für die jungen.

Mit welchen Formaten kann das gelingen?

Neue Zielgruppen zu gewinnen, ist keine Angelegenheit von wenigen Wochen. Wir werden diesen Weg Schritt für Schritt gehen. Zum einen will ich erreichen, dass das Meißner Theater noch stärker mit Vereinen der Stadt, mit anderen Kulturstätten und so weiter zusammenarbeitet. Neue Formate sind ein weiterer Schritt. Dafür habe ich einige Ideen. Wir können zum Beispiel nach der Aufführung von Familientheaterstücken an Wochenend-Vormittagen Brunch anbieten. Am Abend bietet sich unser Haus nicht nur für Theatervorstellungen, sondern auch für regelmäßige Diskussionsrunden oder Ähnliches an. Ich möchte noch mehr Eigenproduktionen auf unserem Spielplan sehen: Theater zu Themen, die diese Stadt interessieren, und das auch in die Stadt ausstrahlt. Warum nicht auch mal im wörtlichen Sinn mit Wandeltheater auf Straßen und Plätzen? Wir müssen ausprobieren, was wie angenommen wird. Speziell junges Publikum zu gewinnen, ist nicht einfach. Das gilt auch in wirtschaftlicher Hinsicht: Denn wenn es um diese Zielgruppe geht, können wir nicht mit hohen Eintrittspreisen rangehen.

Damit ist das Thema Finanzen angesprochen. Wie steht es da um das Meißner Theater?

Unser Haus arbeitet als gemeinnützige GmbH ähnlich einer Firma. Damit ist die Lage anders, als bei vielen anderen Kulturstätten. Häuser, die anders organisiert sind, hängen oft stärker am finanziellen Tropf ihrer Kommunen. Unser Haus erwirtschaftet einen großen Teil seiner Mittel selbst. Aktuell sind es rund 50 Prozent des Gesamtetats: Das ist im Vergleich zu anderen Theatern unglaublich viel. Diesen Erfolg zu halten, ist auch eine große Aufgabe. Natürlich ist auch bei der Finanzlage des Meißner Theaters nicht alles rosig. Ein Posten im Etat sind die Löhne unserer Mitarbeiter: Dort gab es seit Jahren keine Erhöhungen und damit gibt nun großen Nachholbedarf.

Fällt es da dem Theater schwer, Mitarbeiter zu halten?

So kann man das nicht sagen. Unsere Mitarbeiter sind sehr motiviert: Jeder, der hier arbeitet, brennt für das Theater. Und dieses Engagement müssen wir unterstützen und klug nutzen. Das gilt auch für die Dinge, die wir jetzt neu planen. Umsetzen können wir sie nur im Team. Auch Marketing, Ticketing, Bühnentechnik müssen in die konzeptionelle Arbeit einbezogen sein. Das ist mir wichtig. Auf der anderen Seite braucht es dann Rückenwind auch von der Meißner Bürgerschaft, die das Theater als „ihr“ Theater annimmt und gern ins Haus kommt. Das Interesse ist auf alle Fälle da.