Fast ein Märchen: Tanzende Prinzessin trifft Schauspieler

Majestät haben nicht wohl geruht: Wencke Kriemer de Matos tanzt unter anderem in der Rolle der "Prinzessin auf der Erbse" Foto: König

Die Landesbühnen Sachsen widmen sich den "Prinzessinnen". Die neue Inszenierung verflicht Schauspiel und Tanz.

Es war einmal vor vielen Jahren. Oder ist es Gegenwart? Die aktuelle Spielzeit der Landesbühnen Sachsen steht unter dem Motto „Märchen und Mythen“. Da liegt es nahe, sich einen Abend lang den Prinzessinnen zu widmen. Analytisch und träumend, spielt doch das Motiv in vielen Märchen eine zentrale Rolle. In Radebeul haben sich Tanz- und Schauspiel-Sparte gemeinsam des Themas angenommen. Die Inszenierung „Prinzessinnen“ stammt von Manuel Schöbel, die Tanz-Choreografie von Carlos Matos.

Das Spiel beginnt in der zur Bühne umfunktionierten Garderobe des Radebeuler Theater-Stammhauses. Auf einem riesigen Stapel Matratzen ruht sie. Ja, wer ist sie? Die Bewegungen der Tänzerin Wencke Kriemer de Matos verraten eine unruhige Nacht. Nach einer getanzten Weile fällt es dem Publikum wie Schuppen von den Augen: Es ist die „Prinzessin auf der Erbse“.

Die bekommt nun Marco Bräutigam zur Seite. Der Schauspieler macht beim gemeinsamen Wiener Walzer keine schlechte Figur. Per Fahrstuhl lockt Bräutigam die Damen, welche auf der einen Seite der Foyer-Treppe sitzen, zum nächsten Spielort in die erste Etage. Die auf der anderen Seite platzierten Herren dürfen laufen.

Nun verfolgt der schauspielernde Mann die tanzende Frau mit dem Fotoapparat. Assoziationen zur „Königin der Herzen“, zur Prinzessin „Lady Di“, sind durchaus gewollt. Doch warum blieb Manuel Schöbel nicht bei den Märchen und Mythen und deren Assoziationen, die nun wirklich nicht langweilig sind? Weshalb die Tänzerin, die über viele Attribute einer Prinzessin verfügt, einen Schauspieler und keinen ebenbürtigen Tänzer als Dialogpartner bekam, erschließt sich ebenfalls nicht unbedingt. Eine Prinzessin als Projektionsfläche für Wünsche?

Dabei haben die getanzten Bilder ihre Dramatik. Eine Matratze wird zum Sarg. Vielleicht könnte unter der Plane Schneewittchen liegen. Hier ist das Leben der Prinzessinnen jedoch konfliktfrei, wie in kaum einem Märchen. Wo steckt eigentlich der Prinz? Welche Prüfungen besteht der männliche Part? Nein, so wie bei „Leonce und Lena“ muss es nicht unbedingt sein.

Für die Ausstattung der Inszenierung zeichnet Kim Scharnitzky verantwortlich. Die Musik zur Inszenierung kommt vom Band. Unter anderem wird der nicht Knigge-taugliche Stöhnklassiker „Je t’ aime“ gespielt. Die Inszenierung wartet mit einigen schönen Bildern auf. Zwei Beispiele: Eine Vase wird zum Instrument, der Blumenstiel zum Bogen. In den Armen der Tänzerin wird die Blumenvase dann zu einem Winzling, den die Prinzessin freudig anstrahlt.

Was gibt es zur Prinzessin und dem gewünschten Prinzen noch zu sagen? Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie wohl noch heute.

Wieder am 3. und 10. März