Offener Brief von Flüchtlingshelfern

Mit einem offenen Brief wenden sich Mitglieder verschiedener Flüchtlingshilfe-Initiativen aus dem Landkreis Meißen an die Bürgermeister, Kreisräte, Landtags- und Bundestagsabgeordneten der Region. Darin fordern sie Verbesserungen bei Bildungsangeboten für Migranten – und eine bessere Kommunikation zwischen den Helfern und den Verwaltungen.

Anlass für das Schreiben seien Probleme in der Integration: „Vieles ist durch die Politik einfach verschlafen worden und Vieles wird auch heute noch völlig ignoriert“, heißt es in dem offenen Brief, der von Vertretern der Helfergruppen aus Meißen, Radebeul, Coswig, Weinböhla, Klipphausen, Moritzburg und Perba unterschrieben wurde.

Als Beispiel werden unter anderem die „DaZ-Klassen“ angeführt, in denen Kinder aus Flüchtlingsfamilien Deutsch als Zweitsprache lernen. Es brauche neue Konzepte, um neben der Sprache auch fachliches Wissen in verschiedenen Fächern zu vermitteln. Das gleichzeitige Lernen von Deutsch und das Nachholen von Schulstoff, der in den Herkunftsländern nicht vermittelt wurde, sei ein Problem: Die Kinder hätten kaum Chancen auf einen erfolgreichen Schulabschluss. Ähnliches gelte für ältere Migranten an den Berufsschulen. Dort brauche es gezielte Förderangebote.

Alleingelassen zwischen den Zuständigkeitsbereichen verschiedener Behörden sehen die Helfer sich und die Migranten bei der Suche nach Praktika, Arbeitsstellen und den richtigen Sprachkursen. „Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Behörden ist einerseits zu langatmig und andererseits zum Teil gar nicht vorhanden. Diese Lücke füllen derzeit ausschließlich Paten durch zeit- und nervenaufreibende Eigeninitiativen.“ Es brauche eine einheitliche Plattform für die Vermittlung von Hospitanzen, Praktika und Ähnlichem. Bei den Sprachkursen würden teils auch Analphabeten in Kurse auf höherem Niveau eingegliedert. Gebraucht würden deutlich mehr Alphabetisierungskurse.

Weitere Probleme sehen die Flüchtlingshelfer auf dem Wohnungsmarkt, wo einige Vermieter zusätzlich zu den Garantien des Jobcenters Bürgschaften von Paten forderten. Eine bessere soziale Betreuung der Migranten könne Konflikten vorbeugen. Kritisiert wird auch mangelnde Kooperation einiger Kommunalverwaltungen im Landkreis. Sie verwiesen in der Flüchtlingsproblematik stets auf die Verantwortung von Landkreis, Freistaat oder Bund. „Jede Kommune muss sich mit den Themen vor ihrer Haustür auseinandersetzen, nicht diese von sich weisen“, fordern die Helfer. In diese Kritik wird auch der Landkreis eingeschlossen: Das jüngste „Integrationskonzept“ des Kreises sei kaum mehr als eine Bestandsaufnahme der Situation. Prämissen für die Gestaltung der Zukunft fehlten.