Claus-Dirk Langer schreibt Meißens Chronik

Für seine Bücher hat Claus-Dirk Langer schon oft in der Meißner Geschichte geforscht. Nun sorgt er selbst dafür, dass die Chronik der Stadt fortgeschrieben wird. Foto: Grau

Das Amt des Meißner Stadtchronisten ist neu besetzt worden. Claus-Dirk Langer notiert in öffentlichem Auftrag die wichtigen Ereignisse in der Stadt, um sie der Nachwelt zu überliefern.

„Es ist ein Ehrenamt“, sagt Claus-Dirk Langer. „Es ist auch ein Amt, das mich ehrt.“ Vor allem ist es für den Architekten, Stadtplaner, Fotografen und Buchautor eine neue Aufgabe. Seit diesem Jahr ist er der Stadtchronist von Meißen.

Seit dem Tod von Gerhard Steinecke im Herbst 2013 war jenes Amt unbesetzt gewesen. Langer verweist sogleich auf die großen Fußstapfen, die sein Vorgänger hinterlassen habe. „Gerhard Steinecke war studierter Historiker, als Rentner stand für ihn die Beschäftigung mit Meißens Stadtgeschichte im Mittelpunkt.“ Steinecke hatte nicht nur akribisch alle aktuellen Meißner Ereignisse dokumentiert. Er verbrachte auch viel Zeit in Archiven, erforschte dort die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner anhand historischer Unterlagen. Über Meißens Historie schrieb er Bücher und Texte für Zeitschriften und Zeitungen.

„So ein Pensum werde ich wohl nicht schaffen“, sagt Claus-Dirk Langer. Sein Hauptberuf als Architekt fordert dafür zu viel Zeit. Der „Neue“ will sich deshalb auf die Kernaufgabe des Stadtchronisten konzentrieren: „Ich führe vor allem die aktuelle Stadtchronik weiter.“

Das bedeutet, dass Claus-Dirk Langer seit diesem Jahr besonders gründlich Zeitung liest und viele Termine hat. Er geht zu Ratssitzungen, Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Volksfesten. Er notiert, was in der Politik, der Wirtschaft und Kultur der Stadt an Wichtigem und Bedeutendem geschehen ist. „Da kann persönliche Anschauung nicht schaden. Ein Stadtchronist sollte auch aus erster Hand berichten“, sagt Langer. „Man muss sich disziplinieren, dranbleiben, sammeln und vor Ort sein.“

Aus dem, was er über die Ereignisse niederschreibt, entsteht eine Chronik für jedes Jahr. Die thematische Ordnung hat Claus-Dirk Langer von seinem Vorgänger Gerhard Steinecke übernommen. „Das reicht von der Kommunalpolitik über Wirtschaft, Sport, Soziales bis hin zur Polizeiarbeit und Statistik.“ Die Meißner Stadträte haben Claus-Dirk Langer nach seiner Bewerbung als Geschichtsschreiber ausgewählt. Dem Stadtrat erstattet er jährlich seinen Bericht. Vier bis sechs Stunden Arbeitszeit hat er sich nun pro Woche für seine neue Aufgabe eingeplant.

Doch auch schon vor der Berufung zum ehrenamtlichen Stadtchronisten hatte Claus-Dirk Langer viel Interesse für die Meißner Geschichte. Für die besonderen Themen, die ungewöhnlichen Blickwinkel: Der Architekt gab und gibt Bücher und Bildbände über Meißner Sagen, „verlassene Orte“ der Stadt oder mit fotomontierte Stadtansichten heraus. Neues ist schon in Planung. Einen Langer-Kalender über die „verlassenen Orte“ Meißens gibt es im Buchhandel. Ein weiterer mit historischen Postkarten aus der Stadt wird bald erscheinen, ebenso die zweite Auflage des Bildbandes „Sagenhaftes Meißen“.

Wenn der heutige Stadtchronist früher im Archiv zur Meißner Historie recherchieren musste, hatte er sich übrigens immer eine gute Stadtchronik gewünscht. Die hat das über 1.000-jährige Meißen jedoch erst seit den 1990er Jahren. Zuvor sei Stadtgeschichte eher sporadisch statt regelmäßig aufgeschrieben worden, sagt Claus-Dirk Langer. Mit seiner neuen Aufgabe wolle er also auch dafür sorgen, dass eine noch junge, doch sehr nützliche Tradition nicht abreiße.

Und dafür, dass Stadtgeschichte nicht nur etwas für Fachleute ist. „Eine Chronik interessiert viele Leute.“ Die Meißner solle also auch öffentlich sein. „Ich sehe es auch als meine Pflicht an, für eine bessere Zugänglichkeit zu sorgen.“ Eine Idee dafür hat er schon: Die Chronik könnte in Zukunft für jedermann auf der Internetseite der Stadt einsehbar sein.