Heimat- und Naturschutz praktisch aufgefasst

Der "Landesverein Sächsischer Heimatschutz" traf sich zur Jahresversammlung. Auch in der Meißner Region ist er stark engagiert.

Anno 1908 wurde der „Landesverein Sächsischer Heimatschutz“ gegründet – und die ersten Jahre seines Bestehens fielen in das „rote Königreich“ Sachsen. Denn kaum irgendwo sonst im deutschen Sprachraum waren Ideen der Lebensreform und des gesellschaftlichen Ausgleichs zwischen den Klassen so stark mit einer grundlegenden Loyalität zur Landesherrschaft verknüpft. Sachsen konnte in der Zeit zwischen der Reichsgründung und der Weimarer Republik als der fortschrittlichste Staat des Deutschen Reiches gelten. Heimat- und Naturschutz wurde hier ganz praktisch aufgefasst. Dem Verein gehörten unter anderem das Volkskunstmuseum im Dresdner Jägerhof und große Naturschutzflächen im Osterzgebirge.

Die Beugungen des Rechts unter zwei deutschen Diktaturen wirkten auch auf den traditionsreichen Landesverein. Die NS-Ideologie versuchte, ihn über das 1936 gegründete „Heimatwerk Sachsen“ zu unterwandern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er enteignet. Später nahm man den Landesverein mit der Bodenreform die Naturschutzflächen. Die Museen wurden mit der Auflösung der bürgerlichen Museumsvereine eingezogen. Zwar wurde der Landesverein Sächsischer Heimatschutz nie verboten, aber durch diese Umstände war er praktisch arbeitsunfähig.

Das Negieren der lokalen Identität und der hingenommene Verfall des Kulturguts, wie er besonders brutal in Meißen, der „Wiege“ des Landes Sachsens, sichtbar wurde, trug nicht unwesentlich zu den Veränderungen des Wendejahres 1989/90 bei. Die Wiederaufnahme der Tätigkeit des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz im Jahr 1990 ist daher mit der Neuformierung des Freistaats Sachsen eng verknüpft.

So wies denn auch Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) vor wenigen Tagen in seinem Grußwort zum 28. Jahrestreffen des erneuerten Vereins darauf hin, dass der Begriff „Heimat“ zentral in der Verfassung des Freistaats verankert sei. Heimat sei die Voraussetzung, um Verantwortung übernehmen zu können.

Eine Mehrzahl der derzeit 1062 Vereinsmitglieder waren der Einladung zum 2017er Jahrestreffen nach Cunewalde in der Oberlausitz gefolgt. Der Vorstandsvorsitzende Hans-Jürgen Hardtke berichtete von Erfolgen, benannte aber auch Probleme, welche sich von denen anderer Vereine kaum unterscheiden. Noch ist im Landesverein das Verhältnis von Aus- und Beitritten ausgeglichen. Doch der hohe Altersdurchschnitt der Mitglieder macht eine mittelfristige Verjüngung dringend erforderlich. Dazu sollen weiter regionale Gruppen ausgebaut und neu gegründet werden.

Das Besondere am Landesverein ist die ausgleichende Verbindung von Naturschutz, Denkmalpflege, Heimatgeschichte und Volkskunde. Während sich kleinere Interessengruppen unnötigerweise oft gegenseitig blockieren und einem lachenden Dritter das Feld überlassen müssen, lässt sich innerhalb der verschiedenen Gliederungen des Landesvereins stets ein auf Wirkung gerichteter Ausgleich finden.

In seinem Redebeitrag solidarisierte Karl Mannsfeld den Landesverein mit dem Anliegen eines offenen Briefs des „Kulturkreises Scharfenberg“. Gerichtet an Mannsfelds CDU-Parteifreund Staatsminister Thomas Schmidt greift das Schreiben die Gefährdung der Kulturlandschaft durch die subventionierte Agrarindustrie an.

Der frühere Dresdner Museumsdirektor Matthias Griebel war von 1990 bis 2006 der erste Vorsitzende des revitalisierten Vereins. Er bekam nun die Ehrenmedaille des Landesvereins verliehen und erwiderte die Ehrung sogleich mit einer beachtlichen Spende.

Beim Treffen in Cunewalde folgten auf die Hauptversammlung Vorträge zu archäologischen, architektonischen, industriegeschichtlichen und naturkundlichen Themen. Dann teilten sich die Teilnehmer in vier Gruppen auf, die auf den Czorneboh oder durch das Cunewalder Tal wanderten, den Umgebindehaus-Park oder das Säge- und Holzwerk Leuner besichtigten. Am nächsten Tag führten ganztägig fachkundig geführte heimatkundliche Exkursionen in die Umgebung. Im nächsten Jahr soll das Jahrestreffen des Vereins in Borna stattfinden.

Auch im Stadttheater von Meißen gab es bereits ein solches Treffen: Hier hatten sich die Heimatfreunde vor 20 Jahren versammelt. Im Meißner Umland besitzt der Landesverein Sächsischer Heimatschutz die Naturschutzgebiete Ziegenbusch bei Oberau und die Gauernitzer Elbinsel. Hinzu kommt neuerdings eine Fläche auf der Bosel. Am 7. Mai führte die Ortsgruppe Wilsdruff eine „Vogelstimmenwanderung“ durch das Saubachtal durch. Am 13. Mai lädt die Fachgruppe Geobotanik zur Maiwanderung durch den Golkwald ein.