Alte Deponie wird endgültig dicht gemacht

Die Kuppe der alten Gröberner Deponie wirkt derzeit wie eine Mondlandschaft: Dort wird gerade die neue, endgültige Abdeckung gebaut Foto: Grau

Mit großem Aufwand und hohen Kosten wird an der früheren Gröberner Abfalldeponie gebaut. Deren endgültige Abdichtung soll mindestens für ein Jahrhundert halten.

Die grüne Idylle ist wieder Baustelle geworden. Von der Straße zwischen Gröbern und Radeburg ist es nicht zu übersehen: Bagger rollen auf der einstigen Gröberner Abfalldeponie. Das Gras, das den mächtigen Kegel in den vergangenen Jahren fast wie ein Naturschutzgebiet aussehen ließ, ist auf weiter Fläche abgetragen. Wird die Halde etwa wieder geöffnet?

Im Gegenteil, sie werde jetzt richtig dicht gemacht, sagt Jörg Blatzky, der als „Sachgebietsleiter Anlagenbetrieb“ beim Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal einer der beiden Chefs des aktuellen Bauprojekts ist. Der andere ist Holger Augustin, beim ZAOE zuständig für „Sanierung und Nachsorge“. Genau das ist es, was in Gröbern derzeit betrieben wird.

Das jetzt entfernte Grün sollte von Anfang nur vorübergehend wachsen, erklärt Augustin. Es spross auf der „temporären Abdeckung“ der alten Gröberner Deponie, einer ungefähr einen Meter dicken wasserdurchlässigen Schicht aus Erde und mineralischen Baustoffen. Die ist nun schon auf fast der gesamten Kuppe entfernt. Gut sechs Hektar Fläche sind bis auf die Schicht der einstmals eingelagerten Abfälle freigelegt. Von denen ist kaum noch etwas zu erkennen. Gut so, sagen Jörg Blatzky und Holger Augustin: Die Verrottung hat funktioniert wie gewünscht.

Von den 1960er Jahren bis 1997 war die alte Gröberner Deponie in Betrieb. Aus Grubengelände wuchs in dieser Zeit ein mächtiger Berg: insgesamt rund 3,1 Millionen Kubikmeter Abfall. Was in den unteren Schichten lagere, könne man eher vermuten als sicher wissen, sagt Jörg Blatzky. „In der DDR-Zeit wurden in Gröbern Siedlungsabfälle eingelagert, aber auch Abfälle aus der Industrie.“

Nach der deutschen Wiedervereinigung galten dann weit strengere Vorschriften. Abwasser, das aus der Halde sickerte, mussten aufgefangen, kontrolliert und gereinigt werden. Schadstoffe sollten auf keinen Fall in die Luft oder den Boden entweichen. Und was neu auf die Deponie kam, wurde ohnehin genauer geprüft. Große, schwere Maschinen, so genannte Kompaktoren, verdichteten jetzt die Abfälle.

Nach der Schließung der Altdeponie sollte die „temporäre Abdeckung“ aus Erde noch das Regenwasser durchlassen. „Das braucht es, damit im Inneren noch Zersetzungsprozesse stattfinden“, erklärt Jörg Blatzky. Das Faulgas, das dabei freigesetzt wird, saugte man in Gröbern in „Gasbrunnen“ ab und betrieb damit ein Blockheizkraftwerk zur Stromproduktion.

Die geschlossene Deponie gaste zuletzt immer weniger, sagt Blatzky. Ein Zeichen, dass es an der Zeit ist, den letzten Schritt zu gehen: Die Halde wird endgültig geschlossen. Die neue Abschlussschicht wird dicker und wesentlich komplizierter aufgebaut sein als die bisherige. Mehrere Schichten von Flies, Folien und schließlich Erde sollen dafür sorgen, dass das Innere der Deponie künftig trocken bleibt.

„Die Materialien, die wir jetzt verbauen, sollen mindestens 100 Jahre halten“, sagt Holger Augustin. Mindestens 30 Jahre werde der ZAOE die alte Deponie kontrollieren und wenn nötig neue Sicherheitsmaßnahmen treffen. Gas und Schadstoffe dürfen nicht unkontrolliert austreten. Es soll keine Setzungen am Gröberner „Berg“ geben. Während dieser Zeit der „Nachsorge“ werde das Gelände wie bisher abgesperrt bleiben.

Die alte Gröberner Deponie ist nicht die einzige im Gebiet des ZAOE, die saniert und dicht gemacht wurde. „Sie ist aber die größte“, so Augustin. Dem entsprechend lange dauern die Bauarbeiten. Dem entsprechend teuer werden sie. Bis Oktober 2017 rollen die Bagger auf dem Berg. Die endgültige Abdichtung wird insgesamt rund 3,8 Millionen Euro kosten.

Mehr als bei den bisherigen, durchaus zahlreichen Deponiesanierungen. In den Landkreisen Sächsische Schweiz – Osterzgebirge und Meißen, für die der ZAOE zuständig ist, gibt es rund 120 kleinere Altdeponien. Diese sogenannten „Bürgermeisterdeponien“ legte man in den Jahren der DDR ohne großes Genehmigungsprozedere und oft ohne größere Sicherheitsvorkehrungen an. Nach der Wende wurden sie geschlossen. Die Sicherung war aufwendig, die Nachsorge beschäftigt den Zweckverband noch heute.

Ebenso wie die für die eigenen Deponien. Einst waren das zehn. Bis auf Gröbern sind heute fast alle außer Betrieb. Langfristig werde der ZAOE nur noch an diesem Standort eine eigene Deponie betreiben, sagt Jörg Blatzky. Neben der alten Anlage, auf der derzeit die Bagger rollen, wurde eine neue angelegt. Sie hat eine unbefristete Betriebserlaubnis, ihr Gelände ist rund sechs Hektar groß. „Wie schnell sie sich füllen wird, hängt natürlich vom Abfall-Aufkommen ab“, so Blatzky. Eingelagert werden dort nur noch „mineralische Abfälle“, etwa Bauschutt. Normaler Hausmüll darf nach den gesetzlichen Vorschriften gar nicht mehr deponiert werden.

„In einigen Ländern beschäftigt man sich schon damit, alte Deponien gänzlich aufzulösen“, sagt Holger Augustin. Aus den Inhalten sollen wieder Wertstoffe gewonnen werden. In Deutschland steht das noch nicht flächendeckend zu erwarten. „Es wird wahrscheinlich die Sache kommender Generationen sein, darüber zu entscheiden“, meint Augustin.

Die alte Gröberner Deponie wird dann also doch erst einmal so etwas wie ein Naturschutzgebiet. Ende 2017 wird auf dem Berg wieder Gras angesät. Einige Gasbrunnen bleiben noch in den nächsten Jahren in Betrieb und speisen weiter das Blockheizkraftwerk. Seit einiger Zeit stehen am Hang der alten Deponie auch Solarmodule. Sie produzieren ebenfalls Strom – auf umweltfreundliche Art.