Großer Einsatz für "Sachsens kleinste Burg"

Vereinschef Markus Flade vor dem restaurierten "Steingut" in Burkhardswalde: "Sachsens kleinste Burg" dient jetzt als Bürger- und Vereinshaus Foto: Grau

Das "Steingut" in Burkhardswalde ist ein besonderes Baudenkmal. Ein Verein hat es in jahrelanger Arbeit restauriert.

Das „Dreigestirn“ von Burkhardswalde ist komplett, sagt Markus Flade. Die Kirche mit ihrem wertvollen Altar ist restauriert, der alte Gasthof des Ortes neu aufgebaut. Und nur ein paar Meter weiter gibt es jetzt eine dritte Sehenswürdigkeit im Dorf. Es ist das „Steingut“, das die meisten Burkhardswalder noch vor ein paar Jahren eher einen Schandfleck genannt hätten.

Zu sehen ist historisches Gemäuer mit ungewöhnlicher Form: Die alten, dicken Bruchsteinmauern ragen hoch. „Willkommen in Sachsens kleinster Burg“, sagt Markus Flade, der das „Steingut“ gemeinsam mit einer Handvoll Mitstreitern zur dritten Denkmal-Perle im „Burkhardswalder Dreigestirn“ aufpoliert hat.

Noch Anfang der 2000er Jahre sah das Gebäudeensemble nicht nach Denkmal aus. Verfallen, voller Müll und Gerümpel: So lernte Flade das „Steingut“ kennen. Der Restaurator, der ein paar Dörfer von Burkhardswalde entfernt lebt, sah es immer dann, wenn er seine Kinder in den Kindergarten fuhr. „Ich habe in dieser Zeit noch Denkmalpflege und Stadtentwicklung studiert und nach einem Thema für meine Abschlussarbeit gesucht.“ Das „Steingut“ wurde es schließlich nicht, doch Flade nahm um 2007 dennoch Kontakt zu dessen Eigentümer auf.

„Sachsens kleinste Burg“, von der kaum noch jemand wusste, dass sie einmal eine Burg gewesen war, diente seit Generationen als Bauernhof. In den Jahren der DDR war das „Steingut“ von der LPG genutzt worden. Die vorherigen Eigentümer waren in den 1950ern geflohen, bekamen ihren Besitz aber nach der Wende zurück. Das Wohnhaus und die Nebengebäude standen seither leer und verfielen. „Eigentlich war schon der Abriss geplant“, erinnert sich Markus Flade. „Nur der Denkmalschutz wollte das ‚Steingut’ noch erhalten.“ Bald wollte das auch Restaurator Flade. Gemeinsam mit Freunden aus dem Triebischtal, aus Meißen und Dresden, schmiedete er Rettungspläne. Man gründete den „Steingut e.V.“, dessen Vorsitzender Markus Flade heute ist.

Warum das ehrenamtliche Engagement für verfallene Gebäude in einem kleinen Dorf? Vielleicht gibt jeder der Vereinsmitglieder eine andere Antwort auf diese Frage. Markus Flade gibt diese: „Etwas wie das ‚Steingut’ zu bauen, war eine große Leistung unserer Vorfahren. Ich habe da eine gewisse Ehrfurcht. Es ist gebautes Kulturerbe, das wir für die nächsten Generationen erhalten sollten.“ Im Falle des Burkhardswalder „Steinguts“ stammt das „gebaute Kulturerbe“ mutmaßlich aus dem 15. Jahrhundert. Tatsächlich war das Anwesen einst gut befestigt. Davon zeugen nicht nur die dicken Mauern des Wohnturms, sondern auch Schießscharten. Vielleicht war das „Steingut“ einst so etwas wie der Sitz der weltlichen Macht in Burkhardswalde. „Alle Merkmale, die auch eine Burg auszeichnen, sind jedenfalls vorhanden“, sagt Flade. „Ein Wohnturm, die Befestigung und die Wehrhaftigkeit der Anlage.“

Im einstigen Wohnturm begannen die Mitglieder des „Steingut-Vereins“ mit ihrer Arbeit, nachdem der Eigentümer ihnen das Anwesen verpachtet hatte. Das hieß zunächst vor allem Entrümpeln: In vielen Containern mussten Müll und Schutt aus den verwahrlosten Gebäuden gebracht werden. Dann lud man zum „Tag des offenen Denkmals“ die Burkhardswalder ein. Und die hätten sich schnell von der Rettung des „Steinguts“ begeistern lassen, sagt Markus Flade. „Zu Anfang gab es da schon Skepsis. Doch dann kamen viele Leute und das Echo auf unser Vorhaben war sehr positiv.“

Die Mitglieder des Vereins ließen das „Steingut“ genau vermessen, dokumentierten alle Details zu seiner Architektur – und ahnten schnell, wie viel Arbeit sie sich vorgenommen hatten. Kaputte Decken, bröselige Wände: „Das Haus war kurz vor der Sperrung“, sagt Markus Flade. Die Restaurierung des Wohnturms konnte nur beginnen, weil aus dem Europäischen Förderprogramm „ILE“ 100.000 Euro zugesagt wurden. Die Vereinsmitglieder packten nicht nur in ihrer Freizeit beim Bau an. Sie sammelten auch Spenden. Sie organisierten Benefizkonzerte und ließen immer wieder Neugierige ins Haus schauen. Rund 220.000 Euro und einige Jahre Zeit brauchte es, bis der Wohnturm des „Steinguts“ im Frühjahr 2015 fertig restauriert war.

Was soll das „Steingut“ nun in Zukunft sein? Auf keinen Fall nur ein gut erhaltenes, doch leeres Denkmal. Die Vereinsmitglieder betreiben es nun als ein „Bürger- und Vereinshaus“. Der Wohnturm des „Steinguts“ wird für Feiern und Veranstaltungen vermietet, Vereine sind als Nutzer gern gesehen. Die Heimatgeschichte soll einen Platz im Haus bekommen, Konzerte und Lesungen das Kulturangebot im Dorf bereichern. „Jetzt brauchen wir Kreativität, um das ‚Steingut’ auch zu beleben“, sagt Markus Flade.

Für die Zukunft des noch nicht restaurierten Nebengebäudes gibt es schon Ideen, aber noch keine konkreten Planungen. Eines ist klar: Der Verein wird wieder Geld in die Hand nehmen müssen, um auch diese Seite des „Steingut“ aufzupolieren. Soll das Nebengebäude mit einem weiteren Saal oder als eine Herberge genutzt werden? „Wir brauchen jetzt erstmal eine Pause“, sagt Flade. „Nicht zum Verschnaufen, aber um neue Pläne zu schmieden.“ Denn das jetzt komplettierte „Dreigestirn“ von Burkhardswalde soll in Zukunft noch ein bisschen schöner strahlen.