Lob für die Weinstraße von den Wirten

Wiesen, Weinberge, wunderschöne Aussichten: So präsentiert sich das Elbland an der Sächsischen Weinstraße. Die Route gibt es nun seit 25 Jahren. Foto: Tourismusverband Sächsisches Elbland/Sylvio Dittrich

Vor 25 Jahren wurde die "Sächsische Weinstraße" markiert. Zum Jubiläum wird zurückgeblickt: Für das Gastgewerbe sei die Route eine "Erfolgsgeschichte".

Als Lutz Wagner 1991 die Niederlommatzscher „Elbklause“ übernahm, hatte er mit sächsischem Wein nicht viel zu tun. Trotz traumhaftem Ausblick von seinem Restaurant auf die Weinberge von Seußlitz. „Der Wein aus Sachsen erschien mir damals einfach zu teuer für den Ausschank“, sagt Lutz Wagner. Gemessen an den damals üblichen Preisen kostete ein Schoppen ungefähr so viel wie fünf Schnitzel. Welcher Gast würde das bezahlen wollen?

Das Umdenken setzte bei Wagner nur wenig später ein: „Damals saßen Gäste auf der Terrasse und fragten mich, ob ich ihnen nicht Wein von den Weinbergen da drüben servieren könnte.“ Längst ist das in der „Elbklause“ eine Selbstverständlichkeit und Lutz Wagner ein entschiedener Verfechter von Regionalität. „Gäste wollen eine Gegend nicht nur sehen, sondern auch riechen und schmecken“, sagt der Wirt. In der „Elbklause“ kommen die meisten Zutaten für die Gerichte aus dem Elbland, der Wein vom benachbarten Göhrischgut oder aus Diesbar-Seußlitz von der anderen Flussseite.

Bei der Orientierung aufs Regionale habe auch der Tourismusverband Sächsisches Elbland geholfen, gibt Lutz Wagner zu. Vor 25 Jahren, am 29. Mai 1992, hoben sächsische Wein-Enthusiasten die „Sächsische Weinstraße“ aus der Taufe. Seither wird die Route, die von Pirna bis nach Diesbar-Seußlitz durchs Anbaugebiet führt, vom Verband gepflegt und beworben. Unter anderem mit einem gastronomischen Qualitätssiegel: „Besonders empfohlen an der Sächsischen Weinstraße“ ist die Niederlommatzscher „Elbklause“ nun schon seit vielen Jahren.

Im Jubiläumsjahr der „Weinstraße“ schauen die Tourismuswerber vom Elbland-Verband gern zurück. Für sie ist die Route „eine Erfolgsgeschichte“, wie der Verbandschef und Radebeuler Oberbürgermeister Bert Wendsche sagt. Das belegen sie mit vielen Zahlen, die eines zeigen sollen: Rund um Sachsens „Weinstraße“ konnten in den vergangenen 25 Jahren einige Unternehmen der Reisebranche lohnende Geschäftsfelder aufbauen.

Ein wichtiges Maß ist die Zahl der Gäste, die ins Elbland kommen. 1994 wurden eine halbe Million Übernachtungen gezählt, 2016 waren es über 1,3 Millionen. Viele dieser Urlauber wollten an der Elbe Wein genießen. Das spüre der Tourismusverband daran, dass die von ihm aufgelegten Pauschalangebote zum Thema Wein sehr nachgefragt seien, sagt Verbandsmitarbeiterin Kerstin Rosenbaum. Private Unternehmen hätten ebenfalls Reise-Angebote entwickelt und berichteten von guter Nachfrage. Radtouren auf dem Elberadweg und Wanderungen auf dem Sächsischen Weinwanderweg liegen Trend, Weinverkostungen, Führungen über Weinberge und Schlemmer-Menüs in Weinrestaurants ebenfalls.

Lutz Wagner berichtet, dass er die Wein-Vermarktungs-Aktionen des Tourismusverbands auch für Verbesserungen des eigenen Angebots nutzte. Wer für sein Restaurant das Gütesiegel „Besonders empfohlen an der Weinstraße“ bekommen will, muss dafür Bedingungen erfüllen und sich Tests unterziehen. „Man bekommt eine Beurteilung durch andere und kann daran auch die Qualität der eigenen Arbeit überprüfen.“ Kritik ist nützlich, wenn sie ein Ansporn zu Verbesserungen ist, sagt Lutz Wagner.

Mittlerweile führt Sohn Erik Wagner die „Elbklause“ in Niederlommatzsch. Auch er ist von den Vorteilen der Weinstraße und des Qualitätssiegels überzeugt. Nachdem er 2014 das Haus von seinem Vater übernahm, ließ er einiges umbauen und neu einrichten. Es brauche immer wieder Veränderungen, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, sagt er. Unverändert bleibe aber die Strategie der Regionalität. Die Zutaten für die Küche kommen wenn möglich aus dem Elbland, der Wein vom Nachbarn oder aus anderen sächsischen Weingütern. Das schätzten die Gäste, die die Weinstraße ins Haus bringt.

Die kommen längst nicht mehr nur aus dem nahen Umland, so Erik Wagner. „Auf unserem Parkplatz stehen vor allem Autos aus Berlin, Freiberg, Chemnitz, Leipzig.“ Und auch immer mehr aus dem Ausland: Vor allem Niederländer scheinen Urlaub an der Sächsischen Weinstraße zu mögen.

Das größte Lob für die jetzt 25-jährige Route kommt aus dem Mund des Praktikers. Das Tourismus-Geschäft an der Weinstraße laufe wirklich gut, sagt Erik Wagner. „Ich bemerke: Unser Haus ist gut besucht, der Tourismus wird stärker und das Publikum wird internationaler. Da macht die Arbeit Laune.“