Goldener Wagen als ideales Bienen-Quartier

Das Weinbergsquartier der Bienen lohnt sich: Imker Fritz Woitaß hat vorerst fünf Bienenvölker am Radebeuler Goldenen Wagen Foto: Grau

Der bekannte Radebeuler Weinberg dient auch der Imkerei. Bald wird der erste Weinbergshonig des Staatsweinguts Schloss Wackerbarth geerntet.

Die Rebzeilen sind mustergültig gepflegt. Nun muss nur noch genügend Sonne scheinen. An diesem Tag liegt die Hauptarbeit bei der Natur: Die Winzer haben auf dem Radebeuler Weinberg Goldener Wagen gerade nicht viel zu tun.

Keine Ruhepause dagegen ein paar Schritte hinter den Reben: Dort stehen zwischen üppig blühenden Büschen fünf große, hölzerne Kisten. Fachleute wie Fritz Woitaß nennen sie „Beuten“. Bienen schwärmen emsig ein und aus. Für Imker Woitaß und das Staatsweingut Schloss Wackerbarth sammeln sie hier den ersten Weinbergshonig.

Vom Bienenquartier an den Reben verspricht sich Fritz Woitaß gute Ernte. „Dieser Weinberg ist für die Bienen ein hervorragender Standort.“ Pollen und Nektar in Hülle und Fülle könnten sie hier ernten.

Fünf Bienenvölker hat der Zabeltitzer Imker nach Radebeul gebracht, nachdem er den Standort gemeinsam mit den Winzern vom Staatsweingut ausgesucht hatte. Vom Goldenen Wagen aus erreichen die Bienen mehr Nahrungsquellen, als nur Weinblüten. „Eine Biene fliegt rund zwei Kilometer weit“, so Fritz Woitaß. In diesem Umkreis erreichen die Insekten neben den Reben auch Linden und Akazien, Wiesen und Hecken und nicht zuletzt die Garten- und Balkonpflanzen vieler Radebeuler.

Für den Imker und die Winzer ist die Bienenweide auf dem Weinberg ein Pilotversuch. „Wir wollen damit zeigen, dass ein Weinberg ein Ökosystem ist“, sagt Martin Junge, der Sprecher des Staatsweinguts Schloss Wackerbarth. Auf den Rebflächen wachsen eben nicht nur Weinstöcke. Die Trockenmauern, die Hecken und Grasflächen auf den Bergen sind Heimat vieler Tier- und Insektenarten. Die Bienen sind darunter besonders nützlich. Sie produzieren nicht nur Honig, sondern bestäuben auch die Pflanzen: ohne Bienen und Hummeln keine Ernte in der Landwirtschaft.

Die Idee, einen Weinberg als Standplatz für Bienenvölker zu nutzen, hatte Fritz Woitaß schon vor längerer Zeit. Er verkauft seinen Honig unter anderem im Gutsmarkt von Schloss Wackerbarth. Da lag der Gedanke nahe, dass sich seine Bienen auch auf Rebflächen wohlfühlen könnten … Rund zwei Jahre habe es dann aber doch gedauert, den Plan vom Weinbergshonig in die Tat umzusetzen. Das habe vor allem an der sorgfältigen Auswahl des Standplatzes für die Bienen-Behausungen gelegen, erklärt Weinguts-Sprecher Martin Junge. Seit Juni dürfen die fünf Völker nun vom Goldenen Wagen ausschwärmen.

Und welche Erfahrungen machen seither die Winzer mit ihren neuen Nachbarn? Im Arbeitsalltag nur wenige, berichtet Stefan Kloß. Die neuen Weinbergsbewohner seien kaum zu bemerken, so der Winzer. Die Stichgefahr liege bei fast Null: Schon ein paar Meter neben ihren Beuten verteilten sich die Bienen auf Nahrungssuche. „Und beim Pflanzenschutz achten wir schon länger darauf, nur Mittel zu verwenden, die Bienen nicht gefährden.“

Vielleicht können die Bienen im kommenden Jahr schon im Frühling zu den Reben ziehen, hofft Imker Fritz Woitaß. Jetzt steht für ihn aber erst einmal die Ernte des ersten Radebeuler Weinbergshonigs an. Bis zu 50 Kilo produziert ein Bienenvolk pro Jahr: Im August wird er aus den Waben geschleudert, danach abgefüllt und im Gutsmarkt von Schloss Wackerbarth verkauft.