Auf "Weinreise" durch die Keller der Genossenschaft

Die Winzergenossenschaft lud zur Jungweinprobe ein. Auch Geschäftsführer Lutz Krüger verkostete mit. Foto: Medienkontor

Die Sächsische Winzergenossenschaft lud nach einem Jahr Pause wieder zur Jungweinprobe ein. Der Jahrgang 2016 lässt sich für die Genossenschaft gut an.

„Weinreise“ haben die Veranstalter die Jungweinprobe der Sächsischen Winzergenossenschaft genannt und tatsächlich sollte man einen kleinen Fußmarsch einplanen. Sieben Stationen hat die Reise, die am Meißner Joachimstal beginnt und am Bennoweg endet. An jeder darf verkostet werden: Weine, Sekte, Seccos und Traubensäfte der Genossenschaft. Die Route führt von der Abfüllhalle über die verschiedenen Weinkeller bis zur Vinothek. Dort sitzen am Mittag des 25. April die Gäste dicht an dicht, während sich an den anderen Theken die Mitarbeiter Zeit für Erklärungen nehmen können. Der erste Ansturm ist durch, der Tag aber noch lang. Zwischen 10.00 und 18.00 Uhr erwartet die Genossenschaft hunderte Besucher bei ihrer Jungweinprobe.

Es ist die erste nach einem Jahr Pause. 2016 war die Veranstaltung abgesagt worden, nachdem in sächsischen Weinen Rückstände verbotener Pflanzenschutzmittel aufgetaucht waren. Der „Dimethoat-Skandal“ traf besonders die Winzergenossenschaft hart. Mehrere große Weinchargen durften nicht in den Verkauf gelangen. Das schadete finanziell, der Ruf litt unter negativen Schlagzeilen.

Wie geht es der Sächsischen Winzergenossenschaft ein Jahr später? „Wir sind gestärkt aus der Krise hervorgegangen“, sagt Geschäftsführer Lutz Krüger. Man setze auf strenge Weinkontrollen und persönliche Ansprache der Kunden. Dazu kam – im richtigen Moment – die hervorragende Ernte des Jahres 2016. Bei der „Weinreise 2017“ darf also reichlich verkostet werden. „Wir haben mehr Anmeldungen von Gästen als 2015“, sagt Lutz Krüger. Eingeladen wurden vor allem Gastronomen, Hoteliers und Händler: die Menschen, auf die es ankommt, wenn die Genossenschaft ihre Weine an die Kunden bringen will.

34 Weine in Weiß, Rosé und Rot, acht Sekte, sechs Seccos, vier Säfte: Wer alles probieren wollte, bräuchte vermutlich die vollen acht Stunden für seine „Weinreise“. Fachleute probieren ausgewählt. „Circa 60 Prozent des 2016er Jahrgangs haben wir schon abgefüllt“, sagt Kellermeisterin Natalie Weich. „In den Fässern sind jetzt noch die späten Sorten.“ Traminer und Rieslinge, aber auch Rotweine brauchen noch Zeit zum Reifen.

Rund 1.000 Tonnen Trauben haben die Winzer der Genossenschaft im vergangenen Jahr geerntet. Daraus werden gut eine Million Flaschen Wein. Damit ist die Winzergenossenschaft weiterhin der größte Produzent im Anbaugebiet. Stets hat das Unternehmen einen Spagat zu meistern. Die rund 1.500 Mitglieder sind zum größtenteils Freizeitwinzer. Sie wollen Weine von ihren Trauben keltern lassen. Viele Rebsorten, viele Weinbergslagen: Da braucht es gute Organisation, um hohe Qualität zu sichern. Die wiederum ist nötig, damit auch zahlende Kunden zum vergleichsweise teuren Sachsenwein greifen.

Der 2016er Jahrgang könne Weintrinker begeistern, meint Geschäftsführer Lutz Krüger. Die Besucher der Jungweinprobe sehen an den Gläsern nippend sehr zufrieden aus. „Die meisten Kunden stehen zu uns: Dieses Gefühl haben wir und das bekommen wir auch immer wieder versichert“, sagt Krüger. Der „Dimethoat-Skandal“ scheint für die Genossenschaft abgehakt. Für Sicherheit sorgt jetzt nicht nur der Freistaat, der alle sächsischen Weine auf Rückstände verbotener Mittel untersuchen lässt. Die Winzergenossenschaft kontrolliert schon vorab im eigenen Keller. Bei der Anlieferung der Trauben gibt es Stichproben. Dann werden alle Weine überprüft, wenn sie in die Tanks kommen. „So schließen wir aus, belastete Weine zu produzieren. Mit Sicherheit können wir sagen, dass von uns kein belasteter Wein in Umlauf kommt“, so der Geschäftsführer. Sächsische Weine seien mittlerweile die am besten überprüften in ganz Deutschland.

Wirtschaftlichen Erfolg hätten in den vergangenen Wochen Neuheiten in der Produktpalette der Genossenschaft gebracht, sagt Sprecherin Manja Licht. Der im November 2016 erstmals unter dem Namen „Grünschnabel“ verkaufte Jungwein sei schnell vergriffen gewesen. Viele Käufer hätten auch die Traubensäfte, die die Genossenschaft seit wenigen Wochen rebsortenrein anbietet. „Die Kunden sind begeistert. Vor allem in der Gastronomie finden die Säfte Anklang. Wir überlegen, ob wir noch weitere Sorten produzieren.“

Das hängt auch von der Ernte des Jahres 2017 ab. Noch könne man über deren Qualität und Quantität kaum seriöse Aussagen treffen, sagt Geschäftsführer Lutz Krüger. Die Nachtfröste während der Blütezeit hätten den Weinstöcken der Genossenschaftsmitglieder wohl weniger zugesetzt, als zunächst befürchtet. „Noch haben wir nicht alle Meldungen, aber nach derzeitigem Stand liegen die Verluste im einstelligen Prozentbereich.“ Zwei Vorteile seien den Winzern der Genossenschaft zugute gekommen. „Zum einen bewirtschaften wir viele Steillagen“, sagt Krüger. „Da fließen die Fröste besser ab. Zum anderen haben viele Freizeitwinzer Frostruten stehen lassen. Sie können auch später noch einen zusätzlichen Arbeitsgang beim Rebschnitt erledigen. In großen Betrieben ist so etwas nicht praktikabel.“