Albrechtsburg war 2016 die große Verliererin

Die Albrechtsburg ist Meißens postkartenschönes Wahrzeichen. 2016 kamen aber deutlich weniger Besucher zur Besichtigung als im Jahr zuvor. Foto: Tourismusverband Sächsisches Elbland

Unter Sachsens staatlichen Schlössern verzeichnete das Meißner Wahrzeichen den größten Besucherrückgang. Dagegen stellte Schloss Moritzburg einen neuen Gästerekord auf.

Zwischen Zuwachs und Schwund liegen nur wenige Kilometer. Während man sich im Schloss Moritzburg beim Blick auf die Bilanz des vergangenen Jahres über höhere Besucherzahlen freut, muss man in der Meißner Albrechtsburg erklären, warum 2016 deutlich weniger Gäste kamen, als noch im Jahr zuvor. Das Minus betrug im Jahresvergleich satte 20 Prozent.

Das Auslegen und Erklären der unterschiedlichen Entwicklungen ist eine Aufgabe von Christian Striefler, dem Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens. Die dem Freistaat gehörende gemeinnützige GmbH verwaltet und vermarktet die Schlossanlagen und Parks von Moritzburg, Meißen und noch einigen anderen sächsischen Orten.

„Auffällig“ nennt Striefler den deutlichen Besucherrückgang in der Albrechtsburg. In Zahlen: 2015 kamen noch rund 143.000 Gäste, 2016 waren es nur rund 114.000. Damit ist die Albrechtsburg im staatlichen „Schlösserland“ der größte Verlierer des vergangenen Jahres. Eine erschöpfende Erklärung dafür gab es nicht, als vor wenigen Tagen die 2016er Bilanz der staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten vorgestellt wurde. Man betreibe derzeit noch Ursachenforschung.

Erfolg erklärt sich einfacher. Für den von Schloss Moritzburg führen die „Schlösserland“-Verwalter vor allem einen Grund an. Knapp elf Prozent mehr Besucher als 2015: Das liege vor allem am attraktiven Ausstellungsprogramm des Hauses. Rund 273.000 Gäste wollten 2016 den neu gestalteten Ausstellungsteil zum „Wettiner-Schatz“, die Sonderschauen zum „Aschenbrödel“-Film und zu den „Fabelhaften Wesen“ einer Feinmechanik-Künstlerin sehen. Jedoch: Der starke Zuwachs bezog sich auf das Jagdschloss, das „Haupthaus“ der Moritzburger „Schlösserland“-Einrichtungen. Im kleineren Fasanenschlösschen wurden dagegen ebenfalls weniger Besucher gezählt, als ein Jahr zuvor.

Eine ähnliche Tendenz ist in Nossen zu beobachten. Auch dort steht unterm Strich für 2016 ein Besucherzuwachs von gut acht Prozent. Der entfiel jedoch nur auf den Klosterpark Altzella, in dem fast 49.000 Gäste gezählt wurden. Das Nossener Schloss bekommt weit weniger Aufmerksamkeit. Knapp 7.000 Besucher gab es dort. Diese Nossener „Kräfteverteilung“ könnte noch länger so bestehen: Der geplante Ausbau des Schlosses zum sächsischen Adelsmuseum kommt nicht recht voran. Auch 2017 beginnt noch keiner der dafür nötigen Umbauten im Schloss.

Finanziell war 2016 ein erfolgreiches Jahr für das „Schlösserland“. Rund 10,36 Millionen Einnahmen erzielte die gGmbH im vergangenen Jahr: rund 160.000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Doch die Ausgaben sind bei der Unterhaltung der Schlösser stets weit höher als die Einnahmen. Der Zuschussbedarf für das Staatsunternehmen lag 2016 ebenfalls bei 10,3 Millionen Euro.

Im Falle der Albrechtsburg hofft man im „Schlösserland“, dass es in diesem Jahr besser läuft als im vergangenen. 2017 soll eine hochkarätige Ausstellung Besucher in Scharen auf den Burgberg locken. Im Mai beginnt die Sonderschau zu Bischof Benno von Meißen: „Ein Schatz nicht von Gold“.